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Photovoltaik im Winter: Ertrag, Schnee und Frostschutz

Der erste Schnee liegt auf den Modulen, der Wechselrichter zeigt einen Tagesertrag, der im Juli in einer Stunde zusammenkommt. Drei Punkte sind dabei zu trennen: wie viel der Winter überhaupt bringt, was Schnee anrichten kann und welche Last Dach und Unterkonstruktion tragen müssen.

Was Photovoltaik im Winter wirklich leistet

Verantwortlich für den Rückgang ist das Licht, nicht die Kälte. Ein kaltes, sonniges Modul liefert je Sonnenstunde mehr als ein heißes, weil der Wirkungsgrad von Silizium mit sinkender Zelltemperatur steigt — in der Fachliteratur wird der Effekt mit rund 0,4 bis 0,5 Prozent je Grad Celsius angegeben (PVCDROM, Sekundärquelle). Begrenzend wirken kurze Tage, der tiefe Sonnenstand und häufige Bewölkung.

Land Anteil Oktober bis März Anteil Dezember Quelle
Österreich rund 31,9 Prozent (2025) rund 3,1 Prozent Eurostat-Monatswerte 2025, über myosolar.at, Stand August 2026
Deutschland rund 25,6 Prozent (2025) rund 2,0 Prozent Bundesnetzagentur, SMARD-Monatswerte 2025, über myosolar.de, Stand Oktober 2026
Schweiz rund 26 Prozent des Anlagenbestands kein belegter Monatswert Swissolar, Arbeitspapier Winterstrom vom 9. März 2023

Die Werte beschreiben den gesamten Anlagenbestand eines Landes und sind zwischen den Ländern nicht eins zu eins vergleichbar. In der Schweiz lieferte die Photovoltaik im Winter 2025/26 laut Swissolar rund 2,3 Terawattstunden. Der Dezember ist überall der schwächste Monat, der Februar bringt je Tag etwa das Doppelte — wer im Jänner zweifelt, sollte den Frühling abwarten.

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Der stärkste Hebel an einem bestehenden Gebäude ist der Neigungswinkel: Swissolar beziffert den Winteranteil senkrechter Fassadenanlagen auf rund 45 Prozent und alpiner Anlagen auf 40 bis 50 Prozent. Für Wohnhausdächer bleiben als Orientierung rund 950 bis 1.200 Kilowattstunden je Kilowattpeak (kWp, die Nennleistung unter Standardbedingungen) und Jahr in Österreich (Salzburg AG), rund 1.025 in Deutschland (Verbraucherzentrale, Stand 2024) und rund 1.000 in der Schweiz (EnergieSchweiz und Bundesamt für Energie).

Ein Batteriespeicher trägt den Winter nicht: Er verschiebt Überschuss vom Mittag in den Abend, und im Winter entsteht kaum Überschuss. Grundlagen dazu stehen im Beitrag Batteriespeicher nachrüsten.

Schnee auf den Modulen: räumen oder liegen lassen

Ein schneebedecktes Modul erzeugt keinen Strom — so formuliert es Swissolar. Entscheidend ist also nicht, dass Schnee fällt, sondern wie lange er liegen bleibt. Die Selbstreinigung setzt laut klimaaktiv ab rund 12 Grad Neigung ein, laut co2online ab rund 15 Grad; Swissolar nennt vor allem Dächer unter rund 10 Grad als Problemfall. Alpine Großanlagen werden deshalb bewusst steil aufgestellt.

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Rechnen lohnt sich: Der gesamte Dezemberertrag einer Anlage mit 10 kWp entspricht in Österreich rund 326 Kilowattstunden und etwa 107 Euro, in Deutschland rund 205 Kilowattstunden und etwa 76 Euro (Berechnungen von myosolar.at und myosolar.de). Schnee liegt zudem nicht den ganzen Monat.

Vom eigenen Räumen raten alle geprüften Fachstellen ab. Ein verschneites Schrägdach ist ohne Anseilschutz kaum begehbar, gelöster Schnee kommt als Dachlawine unten an, und harte Werkzeuge oder Streusalz beschädigen Glas, Rahmen und Dichtungen. Kratzer bleiben, und viele Hersteller schließen Schäden durch unsachgemäße Reinigung von der Garantie aus. Auf der Gleichstromseite stehen Leitungen unter Spannung, solange Licht auf die Module fällt. Vertretbar ist Räumen nur, wo es gefahrlos vom Boden aus möglich ist, etwa bei einer Steckersolaranlage, bei Fassadenmodulen oder auf einem Flachdach mit Absturzsicherung.

Wo abrutschender Schnee Personen oder Fahrzeuge gefährden kann, geht es nicht um den Ertrag, sondern um Schneefanggitter — Details im Beitrag Schneefanggitter nachrüsten.

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So gehen Sie vor

  1. Ertragsdaten führen: monatlich die Werte von Wechselrichter und Zähler notieren und mit dem Vorjahresmonat vergleichen (Empfehlung von klimaaktiv).
  2. Sichtkontrolle vom Boden aus, besonders nach Sturm und starkem Schneefall: Glasbruch, verrutschte Module, Beläge, lose Kabel.
  3. Nicht selbst aufs Dach steigen, weder zum Reinigen noch zum Räumen.
  4. Schriftlich verlangen, welche Prüfung das Modul nach IEC 61215 bestanden hat und für welche Schneelast die Unterkonstruktion ausgelegt ist.
  5. Nach dem Winter die Frühjahrserträge prüfen und bei auffälligen Abweichungen eine Fehlersuche beauftragen — typische Ursachen nennt der Beitrag PV-Anlage liefert weniger Strom.

Schneelast und Frost: was Modul und Dach aushalten müssen

Nach IEC 61215 wird ein Modul in drei Zyklen mit einer gleichmäßigen Belastung von 2.400 Pascal geprüft, eine optionale Schneelastprüfung erhöht den Druck auf 5.400 Pascal. Das entspricht rund 245 beziehungsweise 550 Kilogramm je Quadratmeter (Abschlussbericht des Fraunhofer ISE zum Qualitätszertifikat für Photovoltaikmodule). Ob das eigene Modul die höhere Prüfung bestanden hat, steht im Datenblatt.

Maßgeblich für die Statik ist ohnehin das Dach; die anzusetzende Schneelast ist standort- und höhenabhängig.

Land Norm für die Schneelast Hinweis
Österreich ÖNORM B 1991-1-3, nationale Festlegungen zur ÖNORM EN 1991-1-3 Werte hängen von Standort und Geländehöhe ab
Deutschland DIN EN 1991-1-3 mit Nationalem Anhang und Schneelastzonen Werte hängen von Zone und Geländehöhe ab
Schweiz SIA 261, Einwirkungen auf Tragwerke, Kapitel 5 Schnee Basel und ein Bergdorf liegen um ein Vielfaches auseinander

Für die konkrete Adresse liefern diese Werte der Tragwerksplaner oder der Fachbetrieb. Wer eine Anlage auf ein bestehendes Dach setzt, sollte die beim Bau angesetzte Schneelast der heute gültigen gegenüberstellen lassen. Wie die Statik in die Planung gehört, steht im Beitrag Photovoltaikanlage installieren lassen.

Gegen Frost sind die Module gerüstet; kritisch sind die Details: Durchdringungen der Dachhaut, Wasser, das hinter Schneefängern aufstaut, und Steckverbindungen, die Temperaturwechseln ausgesetzt sind. Ein Teil der Wartung ist deshalb eine Prüfung mit der Wärmebildkamera, die unzulässige Erwärmungen und Zellbrüche sichtbar macht (klimaaktiv). Häufige Fehler sind harte Werkzeuge und Streusalz auf den Modulen, eine jährliche Reinigung als angeblicher Standard und die Erwartung, mit Dachanlage und Speicher über den Winter autark zu sein.

Was Reinigung, Wartung und Frostschäden kosten

Verbindliche Richtpreise gibt es in keinem der drei Länder. Die folgenden Werte stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen und sind keine Fixpreise.

Land Leistung Richtwert Quelle und Stand
Deutschland Modulreinigung durch einen Fachbetrieb 1 bis 3 € pro Quadratmeter netto; Festpreise für Kleinanlagen rund 80 bis 180 € energie-experten.org, Stand März 2024
Deutschland Wartung und Prüfung im Ein- und Zweifamilienhaus 200 bis 300 € co2online, Stand 2026 (über myosolar.de)
Österreich Modulreinigung und Wartung keine veröffentlichten Richtpreise; klimaaktiv nennt keinen Pauschalbetrag klimaaktiv, Stand 2026
Schweiz Unterhalt inklusive Rückstellung für den Wechselrichter 2 bis 6 Rappen pro Kilowattstunde, bei 8.000 Kilowattstunden rund 160 bis 480 Franken im Jahr Bundesamt für Energie, Broschüre Betriebskosten (über myosolar.ch, Stand 2026)

Für Österreich gibt es damit keinen belastbaren Eurobereich; die deutschen Werte dienen nur als Orientierung, weil Zufahrt, Dachform und Verfahren unterschiedlich berechnet werden. Frost- und Schneeschäden lassen sich nicht pauschal beziffern — sie hängen von Modul, Unterkonstruktion und Dach ab.

Auch die Intervalle unterscheiden sich: klimaaktiv empfiehlt in Österreich eine Fachprüfung alle drei bis vier Jahre, in Deutschland nennt co2online eine jährliche Sichtprüfung und mindestens alle vier Jahre eine Prüfung nach DIN EN 62446-1, die Verbraucherzentrale rät spätestens alle fünf Jahre. In der Schweiz gibt es laut Swissolar keine gesetzliche Wartungspflicht, empfohlen werden eine optische Kontrolle alle zwei bis drei Jahre und eine Sichtkontrolle nach jedem Sturm.

Eine jährliche Modulreinigung ist für typische Dachanlagen unnötig. Sie rechnet sich nur bei messbarem Minderertrag: Drei Prozent Verlust entsprechen bei einer Anlage mit 8 kWp rund 240 Kilowattstunden, je nach Land und Eigenverbrauchsanteil etwa 15 bis 90 Euro oder Franken im Jahr. Kostet die Reinigung mehr, ist sie verlorenes Geld. Grundsätzliches dazu steht im Beitrag PV-Anlage reinigen und warten lassen.

Zuständig sind in Österreich Betriebe mit der Gewerbeberechtigung Elektrotechnik, in Deutschland Elektrofachbetriebe und in der Schweiz Betriebe mit Installationsbewilligung; am Dach arbeiten Dachdecker und Spengler (AT, CH) beziehungsweise Dachdecker und Flaschner (DE).

Prüfen Sie zuerst die Ertragsdaten und den Sichtbefund vom Boden aus, bevor Sie eine Reinigung oder eine Dachaktion beauftragen. Lassen Sie sich Prüfumfang, Intervalle und den Schneelastwert für Ihre Adresse schriftlich anbieten und vergleichen Sie zwei bis drei Angebote. Betriebe in Ihrer Region finden Sie z. B. über die Suche auf ReparaturProfi.

Dieser Artikel ersetzt keine fachliche Beratung. Im Zweifel den Rat eines konzessionierten Betriebs einholen.

Titelbild: Mustafa Mašetić via Pexels.

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