Lehrlinge & Lehrabschlüsse in Österreich 2025: Zahlen, Trends & Karrierechancen
Die duale Ausbildung ist das Rückgrat der Wirtschaft in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Doch wie viele Lehrlinge schließen tatsächlich jedes Jahr ab? Wie steht es um die Abbruchquoten? Und lohnt sich eine Lehre im Handwerk finanziell? In diesem Beitrag liefern wir Ihnen die aktuellen Zahlen und Fakten 2025 — mit Fokus auf Österreich und der gesamten DACH-Region.
Lehrlinge in Österreich: Historischer Tiefstand 2025
Die Lehrlingszahlen in Österreich sind auf einem historischen Allzeit-Tief angekommen. Ende 2025 befanden sich nur noch 102.878 Lehrlinge in Ausbildung — ein Rückgang von 3,4 % gegenüber dem Vorjahr.
| Jahr | Lehrlinge gesamt | Veränderung | Lehranfänger (1. Jahr) |
|---|---|---|---|
| 2025 | 102.878 | −3,4 % | k. A. |
| 2024 | 106.452 | −1,7 % | 32.119 |
| 2023 | ~108.300 | +0,2 % | ~33.500 |
| 2022 | ~108.100 | +2,7 % | 35.233 |
| 2007 | ~131.000 | — | 41.176 |
Besonders bemerkenswert: Die Lehrlingsquote — der Anteil der Lehranfänger an allen 15-Jährigen — sank 2024 auf nur noch 36,8 %. Zum Vergleich: 2007 begannen noch über 41.000 junge Menschen eine Lehre. Der Trend zur Akademisierung und der demografische Wandel zeigen deutliche Spuren.
Wo werden die meisten Lehrlinge ausgebildet?
Die Sparte Gewerbe und Handwerk bleibt mit Abstand der größte Ausbilder:
| Sparte | Lehrlinge 2025 | Anteil |
|---|---|---|
| Gewerbe & Handwerk | 43.965 | 42,7 % |
| Industrie | 16.169 | 15,7 % |
| Handel | 12.760 | 12,4 % |
| Tourismus & Freizeit | 7.149 | 6,9 % |
| Sonstige Sparten | 22.835 | 22,2 % |
Fast jeder zweite Lehrling in Österreich wird also im Handwerk ausgebildet. Das unterstreicht die enorme Bedeutung dieses Sektors — und erklärt, warum der Rückgang der Lehrlingszahlen gerade hier besonders schmerzt. Betriebe, die auf ReparaturProfi.com gelistet sind, spüren den Nachwuchsmangel bereits deutlich.
Lehrabschlussprüfung: Wie viele schaffen den Abschluss?

Die gute Nachricht: Wer die Lehre durchzieht, besteht in der Regel auch die Prüfung. Von den 28.054 Lehrlingen, die 2024 ihre Ausbildung regulär beendeten, bestanden 86,8 % die Lehrabschlussprüfung (LAP) bis Ende 2025.
Doch nicht alle schaffen es bis zur Prüfung. Von den 35.393 Personen, deren Lehrverhältnis 2024 endete:
- 86,8 % bestanden die LAP (bei regulärem Abschluss)
- 7,3 % traten zur Prüfung an, bestanden aber nicht
- 5,9 % traten gar nicht erst an
- 20,7 % gelten als Lehrabbrecher (kein positiver LAP-Abschluss)
Abbruchquoten nach Sektor
Die Unterschiede zwischen den Ausbildungsformen sind enorm:
| Ausbildungsform | Abbruchquote |
|---|---|
| Überbetriebliche Lehrausbildung | 49,4 % |
| Tourismus & Gastronomie | ~30 % |
| Gewerbe & Handwerk | ~20 % |
| Handel | ~18 % |
| Industrie | 8,5 % |
Die Industrie schneidet am besten ab — hier brechen weniger als 10 % ihre Lehre ab. Im Handwerk liegt die Quote bei rund 20 %, was angesichts des Fachkräftemangels ein ernstes Problem darstellt.
Die beliebtesten Lehrberufe in Österreich 2024
Die WKO-Lehrlingsstatistik zeigt klare Geschlechterunterschiede bei der Berufswahl:
| Rang | Beliebteste bei Burschen | Lehrlinge | Beliebteste bei Mädchen | Lehrlinge |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Elektrotechnik | 9.367 | Einzelhandel | 5.984 |
| 2 | Metalltechnik | 8.759 | Bürokauffrau | 3.422 |
| 3 | Kraftfahrzeugtechnik | 7.497 | Friseurin (Stylistin) | 2.000 |
| 4 | Installations-/Gebäudetechnik | — | Restaurantfachfrau | 1.670 |
| 5 | Einzelhandel | — | Köchin | 1.507 |
Auffällig: Die Top 3 bei den Burschen sind allesamt klassische Handwerksberufe — Elektrotechnik, Metalltechnik und Kfz-Technik. Bei den Mädchen dominieren kaufmännische und Dienstleistungsberufe. Die Geschlechtersegregation in der Berufswahl bleibt ein zentrales Thema: 94,7 % der Kfz-Lehrlinge sind männlich, während 79 % der Büro-Lehrlinge weiblich sind.
DACH-Vergleich: So steht es um die Lehre in Deutschland und der Schweiz
Wie schlagen sich die Nachbarländer? Ein Blick auf die Gesamtzahlen:
| Kennzahl | Österreich | Deutschland | Schweiz |
|---|---|---|---|
| Neue Ausbildungsverträge/Jahr | ~32.000 | 476.000 | ~76.000 |
| Trend 2025 | −3,4 % | −2,1 % | stabil / wachsend |
| Abschlussquote (LAP/Prüfung) | ~87 % | ~87 % | ~90 % |
| Vertragsauflösungsquote | ~21 % | 29,5 % | 24 % |
| Davon Handwerk | 42,7 % | 28,2 % | k. A. |
| Beliebtester Lehrberuf | Elektrotechnik | Kfz-Mechatroniker | Kaufmann/-frau |
Deutschland: Fast jeder Dritte bricht ab
In Deutschland wurden 2025 rund 476.000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen — ein Minus von 2,1 %. Im Handwerk sind es 342.000 Lehrlinge (28,2 % aller Azubis). Die Vertragsauflösungsquote erreichte 2022 mit 29,5 % einen Rekordwert. Allerdings: Rund die Hälfte der Abbrecher wechselt nur den Betrieb oder Beruf — die tatsächliche Dropout-Rate liegt bei etwa 13 %.
Schweiz: Wachstum gegen den Trend
Die Schweiz ist der Lichtblick in der DACH-Region. Mit einer Abschlussquote von rund 90 % und einem prognostizierten Wachstum von 15,8 % bei den Lehrabschlüssen bis 2033 zeigt das eidgenössische System, dass die duale Ausbildung auch im 21. Jahrhundert funktionieren kann. Zwei Drittel der Vertragsauflösungen passieren im 1. Lehrjahr — die meisten Betroffenen starten danach eine neue Lehre.
Was verdient ein Lehrling? — Lehrlingsentschädigung 2025
Die Lehrlingsentschädigung in Österreich wurde 2025 deutlich angehoben (je nach Kollektivvertrag):
| Lehrjahr | Brutto/Monat (ca.) | Anmerkung |
|---|---|---|
| 1. Lehrjahr | ab 1.028 € | +6,5 % gegenüber Vorjahr |
| 2. Lehrjahr | ~1.010–1.200 € | je nach KV und Branche |
| 3. Lehrjahr | ~1.190–1.400 € | deutlicher Sprung |
| 4. Lehrjahr | ~1.580 € | nur bei 4-jährigen Lehrberufen |
Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die Mindestausbildungsvergütung im 1. Lehrjahr 682 €/Monat — deutlich weniger als in Österreich. Technische Berufe (Elektriker, Maurer) starten dort bei rund 1.000 €.
Karriere nach der Lehre: Was verdient man als Geselle und Meister?

Eine abgeschlossene Lehre öffnet viele Türen — besonders mit der Meisterprüfung:
| Karrierestufe | Jahresgehalt (brutto, DE) | Details |
|---|---|---|
| Geselle (Einstieg) | ~27.000–36.000 € | ~2.500–3.100 €/Monat |
| Meister | ~48.000 € | +18,2 % gegenüber Gesellen |
| Selbständiger Meister | variabel, oft höher | Eigener Betrieb möglich |
Wichtig zu wissen: Der Meistertitel ist in Deutschland dem Bachelor-Abschluss gleichgestellt (DQR Stufe 6). In Österreich ist die Meisterprüfung seit 1.1.2024 kostenlos — ein Anreiz, der bereits Wirkung zeigt: 2024 legten 5.230 Personen die Meister- oder Befähigungsprüfung ab, ein Plus von 18,1 % gegenüber dem Vorjahr.
Warum sinken die Lehrlingszahlen? — 5 Gründe
Die rückläufigen Zahlen haben mehrere Ursachen:
- Demografischer Wandel: Es gibt schlicht weniger Jugendliche. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Pension, während die Nachwuchsgeneration kleiner ist.
- Akademisierungstrend: Immer mehr Jugendliche entscheiden sich für Matura und Studium statt für eine Lehre. Eltern und Gesellschaft werten den akademischen Weg oft höher — obwohl Fachkräfte dringend gebraucht werden.
- Weniger Ausbildungsbetriebe: Die Zahl der Lehrbetriebe sank von 32.189 (2013) auf nur noch 27.083 (2023) — ein Minus von 15,9 %.
- Image-Problem: Handwerksberufe gelten bei vielen Jugendlichen als unattraktiv — trotz guter Verdienstmöglichkeiten und sicherer Arbeitsplätze.
- Mismatch: Angebot und Nachfrage passen oft nicht zusammen. In manchen Berufen gibt es zu wenig Bewerber, in anderen zu wenig Lehrstellen.
Gegenmaßnahmen: Was Österreich tut
Die Politik hat den Ernst der Lage erkannt und reagiert mit zahlreichen Maßnahmen:
- Betriebliche Lehrstellenförderung: Budget von 280 Mio. € (2024) für Betriebe, die Lehrlinge ausbilden
- Ausbildungsgarantie bis 25: 650 Mio. € Budget für ~105.000 junge Menschen ohne Ausbildungsplatz
- Digi-Scheck: Bis zu 500 € pro Lehrling für Digitalisierungs- und Klima-Weiterbildungen
- AusBildung bis 18: Verpflichtende Ausbildung oder Schulbesuch bis zum 18. Lebensjahr
- Kostenlose Meisterprüfung: Seit 2024 — bereits +18 % mehr Abschlüsse
- Neue „grüne” Lehrberufe: Klimagärtner/in, Fernwärmetechnik, Faserverbundtechnologie — 75 % der Jugendlichen interessieren sich für Jobs mit Umweltbezug
Duales System vs. Europa: Ein Erfolgsmodell
Die duale Ausbildung in der DACH-Region ist weltweit einzigartig — und zeigt klare Vorteile bei der Jugendarbeitslosigkeit:
| Land | Jugendarbeitslosigkeit | Duales System? |
|---|---|---|
| Deutschland | 6,4 % | Ja |
| Schweiz | ~8 % | Ja |
| Österreich | ~11–13 % | Ja |
| EU-Durchschnitt | 14,7 % | Teilweise |
| Frankreich | 23,3 % | Nein (schulbasiert) |
Die Zahlen sprechen für sich: Länder mit dualer Berufsausbildung haben deutlich niedrigere Jugendarbeitslosigkeit. Das DACH-Modell wird weltweit als Vorbild betrachtet — doch es braucht Investitionen, um es zukunftsfähig zu halten.
Was bedeutet das für Handwerksbetriebe?
Für Betriebe im Handwerk ist die Botschaft klar: Wer heute ausbildet, sichert sich morgen Fachkräfte. Und wer sich als attraktiver Arbeitgeber präsentiert, hat bessere Chancen im Wettbewerb um die immer knapper werdenden Lehrlinge.
- Professionelles Firmenprofil: Ein gepflegtes Profil auf ReparaturProfi.com mit guten Bewertungen zeigt auch potenziellen Lehrlingen: Hier arbeiten Profis
- Förderungen nutzen: Bis zu 280 Mio. € Lehrstellenförderung stehen bereit — die WKO berät kostenlos
- Meisterprüfung ermöglichen: Die kostenlose Meisterprüfung ist ein starkes Argument für die Lehre als Karriereweg
- Grüne Berufe bewerben: 75 % der Jugendlichen interessieren sich für Nachhaltigkeit — Betriebe mit Klima-Fokus (Wärmepumpen, Gebäudetechnik, Photovoltaik) haben einen Vorteil
Quellen
- WKO — Lehrlingsstatistik Österreich
- Arbeiterkammer — Lehrlingsentschädigung
- AMS Berufslexikon — Lehrberufe
- ZDH — Kennzahlen des Handwerks (Deutschland)
- BIBB — Ausbildungsmarkt 2025 (Deutschland)
- BFS — Bildung Schweiz
- OECD Employment Outlook 2025
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viele Lehrlinge gibt es in Österreich 2025?
Ende 2025 befanden sich 102.878 Lehrlinge in Ausbildung — ein historischer Tiefstand. Davon sind 96.980 in betrieblicher Lehre und 5.898 in überbetrieblicher Lehrausbildung.
Wie hoch ist die Abschlussquote bei der Lehrabschlussprüfung?
Von den Lehrlingen, die ihre Ausbildung regulär abschließen, bestehen 86,8 % die Lehrabschlussprüfung. In der Schweiz liegt die Quote sogar bei rund 90 %.
Wie viel verdient ein Lehrling in Österreich?
Im 1. Lehrjahr ab ca. 1.028 € brutto/Monat (2025, je nach Kollektivvertrag). Im 4. Lehrjahr steigt die Entschädigung auf rund 1.580 €. Technische Handwerksberufe zahlen tendenziell besser.
Ist die Meisterprüfung in Österreich kostenlos?
Ja, seit 1. Jänner 2024 ist die Meister- und Befähigungsprüfung beim ersten und zweiten Antritt kostenlos. 2024 legten 5.230 Personen die Prüfung ab — ein Plus von 18,1 %.
Warum sinken die Lehrlingszahlen?
Die Hauptgründe sind der demografische Wandel (weniger Jugendliche), der Trend zur Akademisierung, weniger Ausbildungsbetriebe und ein Image-Problem der Handwerksberufe. Die Zahl der Lehranfänger sank seit 2007 um über 20 %.