Ameisen im Haus: Wann der Schädlingsbekämpfer muss und was es kostet
Im Juni beginnt die Hochsaison für Ameisen in Wohnräumen. Einzelne Tiere auf der Terrasse sind kein Problem — aber wenn sich eine Ameisenstraße durch die Küche zieht oder die Insekten aus der Fußleiste krabbeln, stellt sich die Frage: Selbst bekämpfen oder den Schädlingsbekämpfer rufen? Die Antwort hängt vor allem von der Ameisenart und dem Ausmaß des Befalls ab.
Wann Ameisen zum Problem werden
Nicht jede Ameise im Haus ist ein Schädling. Die häufigste Art in mitteleuropäischen Haushalten ist die Schwarze Wegameise (Lasius niger). Sie nistet meist draußen im Garten und kommt nur auf Nahrungssuche ins Haus. Solange kein Nest in der Gebäudestruktur liegt, ist der Befall meist harmlos.
Zum echten Problem werden Ameisen in drei Fällen:
- Das Nest liegt im Haus — etwa in Hohlräumen, hinter Sockelleisten oder im Mauerwerk. Dann kehren die Tiere immer wieder, egal wie oft Sie einzelne Ameisen entfernen.
- Es handelt sich um eine Gesundheits- oder Materialschädlingsart — Pharaoameisen können Krankheitskeime übertragen, Rossameisen und Holzameisen nagen Gänge ins Holz und schwächen Balken oder Dachstühle.
- Der Befall ist großflächig — mehrere Ameisenstraßen, Befall in verschiedenen Räumen oder sichtbare Ansammlungen an Lebensmitteln.
Was Sie selbst tun können
Bei einem kleinen Befall mit gewöhnlichen Wegameisen können Sie zunächst selbst handeln. Wichtig ist, die Nahrungsquelle zu beseitigen: Lebensmittel luftdicht verschließen, Krümel sofort aufwischen, Futternäpfe von Haustieren nicht offen stehen lassen.
Gängige Hausmittel wie Zitronensaft, Essig oder Zimt auf den Laufwegen wirken als Barriere — sie stören die Duftspuren, töten aber kein Nest. Köderdosen aus dem Baumarkt enthalten Fraßgift, das die Arbeiterinnen ins Nest tragen. Bei oberflächlichem Befall kann das ausreichen.
Grenzen der Eigenbehandlung
Hausmittel und Baumarktprodukte stoßen an ihre Grenzen, wenn:
- das Nest nicht auffindbar oder unzugänglich ist,
- der Befall nach zwei bis drei Wochen Eigenbehandlung nicht zurückgeht,
- Sie eine der problematischen Arten vermuten (siehe nächster Abschnitt).
Wichtig: Sprühen Sie niemals großflächig Insektizid auf Ameisenstraßen. Das tötet nur die sichtbaren Arbeiterinnen, während das Nest unberührt bleibt — und die Kolonie kann sich als Reaktion sogar teilen (Fachbegriff: Budding), was den Befall verschlimmert.
Wann der Schädlingsbekämpfer sinnvoll ist
Bei bestimmten Ameisenarten und Befallsmustern ist der Fachbetrieb nicht nur sinnvoll, sondern notwendig:
Pharaoameisen (Monomorium pharaonis): Diese nur 2 mm kleinen, gelblich-braunen Ameisen sind Hygieneschädlinge. Sie können Krankheitskeime verschleppen und nisten bevorzugt in warmen Gebäuden — Krankenhäuser, Pflegeheime und Wohnhäuser mit Fußbodenheizung sind besonders betroffen. Die Bekämpfung erfordert spezielle Köder mit Wachstumsregulatoren und dauert laut Fachverbänden acht bis sechzehn Wochen. Nur ein erfahrener Schädlingsbekämpfer kann diese Art wirksam tilgen.
Rossameisen und Holzameisen (Camponotus-Arten, Lasius fuliginosus): Mit 6 bis 14 mm Körperlänge gehören sie zu den größten einheimischen Ameisen. Sie nisten in feuchtem oder morschem Holz und können tragende Bauteile wie Dachstühle, Balken oder Holzverkleidungen schwächen. Anders als Termiten fressen sie das Holz nicht, sondern nagen Gänge für ihr Nest. Anzeichen sind feines Holzmehl (Bohrmehl) unter Balken oder an Wänden. Hier ist neben dem Schädlingsbekämpfer oft auch ein Zimmerer oder Bausachverständiger gefragt, um Schäden zu beurteilen.
Großflächiger oder wiederkehrender Befall: Wenn Ameisen trotz Eigenmaßnahmen nach einigen Wochen wiederkommen oder mehrere Räume betroffen sind, liegt das Nest vermutlich im Gebäude. Ein Fachbetrieb kann die Art bestimmen, das Nest lokalisieren und gezielt behandeln.
Mehr zu Ablauf und Beauftragung eines Schädlingsbekämpfers finden Sie im Artikel Schädlingsbekämpfer beauftragen: Kosten und Ablauf.
Kosten einer professionellen Ameisenbekämpfung
Die Kosten hängen von Ameisenart, Befallsgröße und Zugänglichkeit ab. Pauschalpreise gibt es nicht — seriöse Betriebe besichtigen die Situation vor Ort und erstellen dann ein Angebot.
| Land | Typische Kosten (2026) | Quelle |
|---|---|---|
| Deutschland | 100–350 € | Branchenportale, regionale Schädlingsbekämpfer |
| Österreich | 120–350 € | Rentokil Österreich, Branchenverband |
| Schweiz | CHF 180–500 | handwerker-kosten.ch, Rentokil Schweiz |
Bei Pharaoameisen ist mit höheren Kosten zu rechnen: 200 bis 350 € für die Erstbehandlung plus zwei bis drei Nachkontrollen im Abstand mehrerer Wochen. Bei Befall in Mehrfamilienhäusern kann die Bekämpfung teurer werden, da oft mehrere Wohnungen betroffen sind.
Bei Holzameisen kommen gegebenenfalls Kosten für Schadensbeurteilung und Holzsanierung hinzu — diese variieren stark je nach Ausmaß.
Wer in einer Mietwohnung lebt: In Österreich, Deutschland und der Schweiz gilt grundsätzlich, dass der Vermieter für die Beseitigung von Schädlingen zuständig ist, wenn der Befall nicht vom Mieter verursacht wurde. Im Streitfall hilft ein Blick in den Mietvertrag oder eine Anfrage bei der zuständigen Mietervereinigung.
Prävention: Ameisen dauerhaft fernhalten
Nach erfolgreicher Bekämpfung — oder um einen Befall von vornherein zu vermeiden — helfen einige Maßnahmen:
- Nahrungsquellen entziehen: Lebensmittel in verschlossenen Behältern aufbewahren, Abfall regelmäßig entsorgen, keine Essensreste offen stehen lassen.
- Zugänge abdichten: Risse in Fassade, Fensterbänken und Türschwellen mit Silikon oder Acryl verschließen. Kabelkanäle und Rohrdurchführungen prüfen.
- Feuchteschäden beheben: Holzameisen bevorzugen feuchtes Holz. Undichte Stellen an Dach oder Fassade reparieren, für gute Belüftung in Keller und Dachboden sorgen.
- Garten im Blick behalten: Nester direkt an der Hauswand oder unter Terrassenplatten erhöhen das Risiko, dass Ameisen ins Haus wandern.
Wer sich unsicher ist, ob ein Befall vorliegt oder welche Art im Haus nistet, kann zunächst einen Fachbetrieb zur Bestimmung und Beratung hinzuziehen — viele bieten eine erste Einschätzung vor Ort an. Betriebe in Ihrer Region finden Sie beispielsweise über die Suche auf ReparaturProfi.
Dieser Artikel ersetzt keine fachliche Beratung. Im Zweifel den Rat eines konzessionierten Betriebs einholen.
Titelbild: Osviel Rodriguez Valdés via Pexels.