Kernlochbohrung: Kosten und wann ein Fachbetrieb sinnvoll ist

Wer eine Split-Klimaanlage nachrüsten, einen Dunstabzug nach außen führen oder eine kontrollierte Wohnraumlüftung einbauen möchte, steht vor einer praktischen Hürde: Die Leitung muss durch die Wand. Ein einfacher Schlagbohrer reicht dafür nicht — hier kommt die Kernlochbohrung ins Spiel. Dieser Artikel erklärt, wann eine professionelle Kernbohrung sinnvoll ist, wie ein Fachbetrieb dabei vorgeht und mit welchen Kosten Sie rechnen sollten.

Was ist eine Kernlochbohrung und wann braucht man sie

Bei einer Kernlochbohrung (auch Kernbohrung genannt) schneidet eine hohlzylindrische Diamantbohrkrone einen kreisrunden Kanal durch Mauerwerk oder Beton. Anders als beim konventionellen Bohren wird das Material nicht zertrümmert, sondern sauber ausgeschnitten. Das Ergebnis ist ein präzises Loch mit glatten Rändern — ideal für Rohrdurchführungen.

Typische Einsatzfälle im Wohnbau:

  • Klimaanlagen: Die Kältemittelleitungen und Kondensatschläuche einer Split-Klimaanlage benötigen einen Wanddurchlass von 50 bis 80 mm Durchmesser.
  • Dunstabzugshauben: Für Ablufthauben sind meist 150 bis 200 mm nötig.
  • Lüftungsanlagen: Zentrale Wohnraumlüftungen erfordern je nach System 100 bis 200 mm.
  • Sanitär und Heizung: Rohrdurchführungen für Wasser, Abwasser oder Heizungsrohre.

Eine Kernbohrung ist dann sinnvoll, wenn das Loch größer als etwa 30 mm sein soll, wenn die Wand aus Beton oder Stahlbeton besteht, oder wenn ein sauberer Abschluss für die spätere Abdichtung wichtig ist.

Ablauf: Wie ein Fachbetrieb vorgeht

Ein erfahrener Bohrservice arbeitet in mehreren Schritten, um Schäden an Leitungen oder der Bausubstanz zu vermeiden.

So gehen Sie vor, wenn Sie einen Fachbetrieb beauftragen

  1. Leitungsortung: Vor jeder Bohrung prüft der Betrieb mit einem Ortungsgerät, ob Strom-, Wasser- oder Gasleitungen im Bohrbereich verlaufen. Bei Stahlbeton wird zusätzlich die Bewehrung (Armierung) geortet.

  2. Bohrstelle vorbereiten: Der Bereich wird abgedeckt, um Staub und Bohrschlamm aufzufangen. Bei Nassbohrungen — dem Standardverfahren bei Beton — fließt Wasser zur Kühlung der Bohrkrone.

  3. Bohrung durchführen: Die Diamantbohrkrone wird an einem Bohrständer fixiert und arbeitet sich langsam durch die Wand. Bei einer 25 cm starken Betonwand dauert das je nach Durchmesser 10 bis 30 Minuten.

  4. Bohrkern entfernen: Der zylindrische Bohrkern wird herausgenommen und fachgerecht entsorgt.

  5. Abdichtung: Nach dem Einsetzen der Rohre oder Leitungen wird die Durchführung mit Brandschutzmanschetten, Mörtel oder speziellen Dichtungen verschlossen — je nach Anforderung (Brandschutz, Schallschutz, Luftdichtheit).

Kosten im Überblick: Was Kernbohrungen in AT, DE und CH kosten

Die Preise variieren stark nach Durchmesser, Wandstärke und Material. Die folgende Tabelle zeigt Richtwerte für eine typische Bohrung (Durchmesser 150 mm, Wandstärke 20–25 cm, Beton oder Mauerwerk) inklusive Anfahrt im Umkreis von 30 km.

Land Preisspanne (2026) Quelle
Deutschland 160–250 € Branchenportale (my-hammer.de, baupreislexikon.de)
Österreich 100–200 € Branchenportale (my-hammer.at, daibau.at)
Schweiz 300–650 CHF ofri.ch

Was den Preis beeinflusst

  • Durchmesser: Eine 80-mm-Bohrung für Klimaanlagen ist günstiger als eine 200-mm-Bohrung für Dunstabzug.
  • Wandstärke: Jeder zusätzliche Zentimeter Bohrtiefe kostet mehr — bei Beton rechnen viele Betriebe mit 2 bis 5 € pro cm.
  • Material: Stahlbeton ist aufwendiger als Ziegel oder Porenbeton. Trifft die Bohrkrone auf Bewehrung, kann ein Aufschlag von 20 bis 40 Prozent anfallen.
  • Zugänglichkeit: Bohrungen in Bodennähe oder an schwer erreichbaren Stellen (Fassade im Obergeschoss, enge Kellerräume) erhöhen den Aufwand.
  • Mindestpauschale: Viele Betriebe berechnen eine Anfahrts- und Grundpauschale von 50 bis 100 €, auch wenn die einzelne Bohrung günstig wäre.

Holen Sie vor der Beauftragung mindestens zwei Angebote ein und achten Sie darauf, dass die Leistungen vergleichbar sind (inklusive Anfahrt, Abdichtung, Entsorgung des Bohrkerns).

Selbst bohren oder Fachbetrieb? Risiken und häufige Fehler

Theoretisch lassen sich Kernbohrgeräte im Baumarkt oder bei Maschinenverleihern mieten. In der Praxis birgt das Selbermachen jedoch Risiken:

  • Leitungstreffer: Ohne professionelle Ortung kann die Bohrkrone eine Stromleitung, ein Wasserrohr oder eine Gasleitung treffen. Im besten Fall entsteht ein Wasserschaden, im schlimmsten Fall ein Stromschlag oder eine Gasexplosion.
  • Statische Schäden: Bei tragenden Wänden oder Stahlbetondecken kann eine falsch platzierte Bohrung die Bewehrung durchtrennen und die Tragfähigkeit beeinträchtigen. In Mietwohnungen und Eigentumswohnungen ist das ohne Zustimmung der Hausverwaltung oder Eigentümergemeinschaft ohnehin unzulässig.
  • Gewährleistung: Wenn Sie die Bohrung selbst durchführen und später Probleme auftreten (Undichtigkeit, Schimmel durch eindringende Feuchtigkeit), haben Sie keinen Ansprechpartner für Nachbesserung.
  • Gerätebedienung: Nassbohrungen erfordern eine Wasserversorgung und das Auffangen des Bohrschlamms. Trockenbohrungen wirbeln erhebliche Mengen Staub auf und erfordern eine leistungsfähige Absaugung.

Für eine einzelne Bohrung im Privatbereich lohnt sich der Aufwand des Selbermachens selten. Die Ersparnis gegenüber einem Fachbetrieb beträgt vielleicht 50 bis 100 € — das steht in keinem Verhältnis zum Risiko eines Leitungstreffers oder eines statischen Schadens.

Fazit

Eine Kernbohrung ist eine Routineleistung für spezialisierte Bohrbetriebe oder Bauunternehmen. Die Kosten für eine typische Bohrung (150 mm Durchmesser, 25 cm Wandstärke) liegen in Deutschland bei 160 bis 250 €, in Österreich bei 100 bis 200 € und in der Schweiz bei 300 bis 650 CHF. Wenn Sie eine Klimaanlage, einen Dunstabzug oder eine Lüftungsanlage nachrüsten möchten, lohnt es sich, vorab mehrere Angebote einzuholen. Betriebe in Ihrer Region finden Sie z. B. über die Suche auf ReparaturProfi.

Dieser Artikel ersetzt keine fachliche Beratung. Im Zweifel den Rat eines konzessionierten Betriebs einholen.

Titelbild: Jean-Paul Wettstein via Pexels.

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