Trinkwasserleitungen nach dem Urlaub richtig spülen
Sie kommen nach zwei Wochen Strandurlaub nach Hause, drehen den Wasserhahn auf und es riecht leicht muffig oder das Wasser kommt lauwarm aus der Kaltwasserleitung. Das ist kein seltenes Phänomen. In ungenutzten Leitungen steht Wasser tagelang still, erwärmt sich auf Raumtemperatur und bietet Bakterien ideale Wachstumsbedingungen.
Warum stehendes Wasser zum Problem wird
Trinkwasser ist ein frisches Lebensmittel. Sobald es längere Zeit in Rohren steht, verändern sich Temperatur und Wasserqualität. In den Rohrstrecken zwischen Hausanschluss und Wasserhahn kann sich das Wasser auf über 25 Grad erwärmen, besonders im Sommer. Genau in diesem Temperaturbereich zwischen 25 und 50 Grad vermehren sich Legionellen besonders stark, warnt der TÜV Rheinland.
Neben Legionellen können auch andere Mikroorganismen wachsen. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Aus älteren Leitungsmaterialien können Metalle wie Kupfer, Blei oder Nickel ins stehende Wasser übergehen. Der metallische Geschmack nach längerer Abwesenheit ist ein Hinweis darauf.
Die gute Nachricht: Durch konsequentes Spülen lassen sich diese Risiken fast vollständig vermeiden.
Richtiges Spülen: Wie lange und welche Hähne zuerst
Als Faustregel gilt die 72-Stunden-Grenze: Stand das Wasser länger als drei Tage in den Leitungen, sollten Sie vor dem ersten Gebrauch spülen. Nach einem längeren Urlaub von zwei bis drei Wochen empfehlen Versorger und Fachverbände ein gründlicheres Vorgehen.
So gehen Sie vor
- Beginnen Sie mit dem Wasserhahn, der am weitesten vom Hausanschluss entfernt liegt, also meist im Obergeschoss oder am Ende eines Strangs.
- Öffnen Sie zuerst den Kaltwasserhahn vollständig und lassen Sie das Wasser mindestens fünf Minuten laufen, bis es spürbar kühl aus der Leitung kommt.
- Wechseln Sie dann zum Warmwasserhahn und lassen Sie auch diesen laufen, bis heißes Wasser kommt. Das sollte eine Temperatur von mindestens 55 Grad erreichen.
- Arbeiten Sie sich durch alle Entnahmestellen im Haus: Waschbecken, Dusche, Badewanne, Küchenspüle, Gäste-WC.
- Vergessen Sie nicht selten genutzte Anschlüsse wie den Außenwasserhahn, die Waschmaschine oder einen Anschluss im Keller.
- Toilettenspülkästen spülen Sie durch, indem Sie mehrfach hintereinander spülen.
Das abgelassene Wasser können Sie auffangen und zum Blumengießen oder Putzen verwenden, damit es nicht verschwendet wird.
Wann ein Installateur prüfen sollte
Für einen normalen Zweiwochenurlaub ist das Spülen eine einfache Eigenmaßnahme. In bestimmten Fällen sollten Sie jedoch einen Fachbetrieb hinzuziehen:
- Sehr lange Abwesenheit: War das Haus mehrere Monate ungenutzt, etwa bei einer Erbschaft oder nach einem Auslandsaufenthalt, reicht einfaches Spülen möglicherweise nicht aus. Ein Installateur kann eine Beprobung des Wassers veranlassen.
- Alte Leitungen: In Gebäuden mit Baujahr vor 1973 können noch Bleirohre verlegt sein. Seit Januar 2026 müssen diese laut deutscher Trinkwasserverordnung außer Betrieb genommen oder ersetzt sein. Falls Sie unsicher sind, kann ein Fachbetrieb die Leitungsmaterialien prüfen.
- Auffälligkeiten nach dem Spülen: Wenn das Wasser auch nach gründlichem Spülen trüb bleibt, ungewöhnlich riecht oder eine Verfärbung zeigt, sollten Sie das Wasser nicht trinken und einen Installateur bzw. Sanitärtechniker kontaktieren.
- Warmwasser erreicht keine 55 Grad: Bleibt das Warmwasser deutlich unter dieser Temperatur, könnte der Warmwasserspeicher falsch eingestellt sein, was das Legionellenrisiko erhöht.
Falls Sie bemerken, dass Ihr Kaltwasser im Sommer ungewöhnlich warm aus der Leitung kommt, kann das ebenfalls ein Hinweis auf ungünstige Leitungsführung sein.
Trinkwasserverordnungen in Österreich, Deutschland und der Schweiz
Die drei DACH-Länder haben jeweils eigene Regelwerke für Trinkwasserqualität und Legionellenprävention. Die Grundprinzipien sind ähnlich, die technischen Normen unterscheiden sich im Detail.
| Land | Regelwerk | Kernpunkte für Privathaushalte |
|---|---|---|
| Deutschland | Trinkwasserverordnung (TrinkwV), DIN 1988 | 72-Stunden-Regel für Wasseraustausch; Bleileitungen seit 2026 verboten |
| Österreich | Trinkwasserverordnung (TWV), ÖNORM B 5019 | Warmwasser mind. 60 °C im Speicher, 55 °C an der Entnahme; Vermeidung von Stagnation |
| Schweiz | Trink-, Bade- und Duschwasserverordnung (TBDV), SVGW-Richtlinie W3 | Legionellen-Höchstwert seit 2017 gesetzlich verankert; Selbstkontrolle in größeren Anlagen |
Für Eigenheime und Mietwohnungen gelten in der Regel keine Prüfpflichten wie für größere Wohngebäude. Die Verantwortung für die Wasserqualität innerhalb der eigenen vier Wände liegt bei Eigentümern und Mietern selbst. Das regelmäßige Spülen nach längerer Abwesenheit ist daher keine gesetzliche Pflicht, aber eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme.
Was das Spülen kostet
Die direkten Kosten beschränken sich auf den Wasserverbrauch. Bei fünf Minuten Spülen pro Entnahmestelle und etwa zehn Stellen im Haus fallen rund 500 bis 700 Liter Wasser an. Je nach Region entspricht das Kosten von etwa 1 bis 3 Euro für Frischwasser und Abwasser zusammen, Stand 2026.
Falls ein Installateur die Leitungen prüfen oder eine Wasserprobe nehmen soll, liegen die Kosten für einen Vor-Ort-Termin bei etwa 80 bis 150 Euro pro Stunde in Österreich und Deutschland, in der Schweiz etwas höher. Eine Laboranalyse auf Legionellen kostet zusätzlich 30 bis 80 Euro, je nach Anbieter.
Vorsorge für den nächsten Urlaub
Wer länger verreist, kann vorsorgen: Bitten Sie Nachbarn oder Verwandte, alle drei bis vier Tage kurz die Wasserhähne zu öffnen und das Wasser ein bis zwei Minuten laufen zu lassen. Das verhindert Stagnation und Sie kommen in ein Zuhause mit frischem Wasser zurück.
Betriebe in Ihrer Region, die Ihre Trinkwasserinstallation prüfen oder warten können, finden Sie beispielsweise über die Suche auf ReparaturProfi.
Dieser Artikel ersetzt keine fachliche Beratung. Im Zweifel den Rat eines konzessionierten Betriebs einholen.
Titelbild: Liisbet Luup via Pexels.