Sturmschäden am Dach: Was tun und welche Kosten entstehen?

Ein Sommergewitter zieht durch, am nächsten Morgen liegen Dachziegel im Garten oder die Regenrinne hängt schief an der Fassade. Sturmschäden am Dach sind keine Seltenheit — und sie erfordern schnelles, aber besonnenes Handeln. Wer jetzt richtig reagiert, schützt das Gebäude vor Folgeschäden und sichert sich die Kostenübernahme durch die Versicherung.

Nach dem Sturm: Erste Schritte und Sicherheit

Der wichtigste Grundsatz nach einem Unwetter: Nicht selbst aufs Dach steigen. Auch wenn nur wenige Ziegel fehlen, kann die Konstruktion instabil sein. Herabfallende Teile, nasse Flächen und verborgene Schäden an der Unterkonstruktion machen den Aufstieg für Laien gefährlich.

Stattdessen sollten Sie das Gebäude von außen in Augenschein nehmen — am besten vom Boden aus oder durch ein Fenster im Obergeschoss. Achten Sie auf sichtbare Schäden wie fehlende Ziegel, verbogene Blechteile, verschobene Firstkappen oder Äste, die ins Dach eingedrungen sind.

So gehen Sie vor

  1. Sicherheitsabstand halten: Betreten Sie Bereiche unter beschädigten Dachteilen nicht und sperren Sie den Gefahrenbereich gegebenenfalls ab.
  2. Schäden dokumentieren: Fotografieren Sie alle sichtbaren Schäden aus verschiedenen Winkeln. Diese Aufnahmen sind für die Versicherung wichtig.
  3. Notabdichtung veranlassen: Bei Löchern im Dach sollte ein Dachdecker eine provisorische Abdeckung mit Planen anbringen, um Wassereintritt zu verhindern.
  4. Versicherung kontaktieren: Melden Sie den Schaden zeitnah — idealerweise innerhalb weniger Tage.

Führen Sie keine größeren Reparaturen durch, bevor die Versicherung den Schaden begutachtet hat. Eine Notabdichtung zur Schadensbegrenzung ist jedoch erlaubt und wird von der Versicherung in der Regel auch übernommen.

Typische Sturmschäden erkennen

Sturmschäden am Dach zeigen sich in unterschiedlichen Formen. Die häufigsten Schadensbilder:

  • Abgedeckte oder verschobene Dachziegel: Wind hebt Ziegel an den Kanten an und trägt sie fort. Besonders gefährdet sind ältere Dächer mit lockeren Befestigungen.
  • Verbogene oder abgerissene Regenrinnen: Rinnen und Fallrohre aus Blech können durch Windlast oder herabfallende Äste beschädigt werden. In Österreich und der Schweiz ist hier der Spengler zuständig, in Deutschland der Flaschner oder Klempner.
  • Beschädigte Firstkappen: Die oberste Dachreihe ist dem Wind besonders ausgesetzt. Lose Firstziegel oder -hauben können das Dach für Regen öffnen.
  • Durchschlagende Äste: Bei starkem Sturm brechen Äste von Bäumen ab und können Löcher in die Dachfläche schlagen.
  • Beschädigte Dachfenster oder Antennen: Auch diese Elemente sind sturmgefährdet und sollten geprüft werden.

Nicht alle Schäden sind sofort sichtbar. Manchmal zeigt sich erst Tage später ein Wasserfleck an der Decke, weil Wasser durch eine minimale Verschiebung eingedrungen ist. Lassen Sie im Zweifel einen Fachbetrieb eine Inspektion durchführen.

Versicherung richtig einschalten

Sturmschäden am Dach fallen in der Regel unter die Wohngebäudeversicherung — vorausgesetzt, Sturm und Hagel sind als Gefahren mitversichert, was bei den meisten Policen der Fall ist. Die Versicherung leistet üblicherweise ab Windstärke 8 nach der Beaufort-Skala, das entspricht einer Windgeschwindigkeit von mindestens 62 Kilometern pro Stunde. Einige neuere Tarife greifen bereits ab Windstärke 7.

Dokumentation und Fristen

Eine feste gesetzliche Meldefrist gibt es nicht, dennoch sollten Sie den Schaden zeitnah melden — laut Verbraucherzentrale am besten innerhalb einer Woche. So ist der zeitliche Zusammenhang zwischen Unwetter und Schaden für die Versicherung klar nachvollziehbar.

Halten Sie folgende Informationen bereit:

  • Datum und ungefähre Uhrzeit des Sturms
  • Fotos des Schadens (Übersicht und Details)
  • Kurze Beschreibung, welche Gebäudeteile betroffen sind
  • Falls vorhanden: Wetterdaten oder Medienberichte zum Unwetter

Gebäudeversicherung vs. Hausratversicherung

Die Wohngebäudeversicherung deckt Schäden am Gebäude selbst: Dach, Fassade, Fenster, fest verbaute Teile. Die Hausratversicherung kommt ins Spiel, wenn durch das beschädigte Dach Regen eindringt und Möbel oder Elektrogeräte beschädigt werden. Bei umfangreichen Schäden sollten Sie beide Versicherungen informieren.

Kosten der Reparatur

Die Kosten für eine Sturmschadenreparatur am Dach hängen vom Umfang des Schadens, dem verwendeten Material und dem regionalen Preisniveau ab. Im Folgenden finden Sie Richtwerte für 2026, die auf Angaben von Handwerkskammern und Branchenportalen basieren.

Leistung Deutschland Österreich Schweiz
Dachdecker-Stundensatz 50–90 € 50–85 € 70–100 CHF
Ziegel ausrichten/erneuern (pro m²) 40–90 € 55–100 € 60–100 CHF
Rinnen-/Blechreparatur (Spengler/Flaschner) 50–80 €/Stunde 50–75 €/Stunde 70–95 CHF/Stunde
Notabdichtung mit Plane 150–400 € pauschal 150–400 € pauschal 200–500 CHF pauschal
Dachlattung + Neueindeckung (pro m²) 85–160 € 80–155 € 85–160 CHF

Quellen: MyHammer Preisradar 2026, Daibau.at/Daibau.ch Baukostenrechner, ofri.ch, Arbeiterkammer Niederösterreich. Alle Preise verstehen sich als Richtwerte inklusive Mehrwertsteuer. Die tatsächlichen Kosten variieren je nach Region, Betrieb und Schadenumfang.

Bei einem Sturmschaden übernimmt die Gebäudeversicherung in der Regel die Reparaturkosten abzüglich einer vereinbarten Selbstbeteiligung. Lassen Sie sich vom Dachdecker einen Kostenvoranschlag erstellen und reichen Sie diesen bei der Versicherung ein, bevor Sie den Auftrag erteilen.

Abschluss

Nach einem Sturmschaden am Dach zählt schnelles, aber überlegtes Handeln. Dokumentieren Sie den Schaden, beauftragen Sie eine Notabdichtung, um Folgeschäden zu vermeiden, und melden Sie den Fall zeitnah bei Ihrer Gebäudeversicherung. Für die dauerhafte Reparatur sollten Sie einen konzessionierten Dachdeckerbetrieb hinzuziehen. Betriebe in Ihrer Region finden Sie zum Beispiel über die Suche auf ReparaturProfi.

Dieser Artikel ersetzt keine fachliche Beratung. Im Zweifel den Rat eines konzessionierten Betriebs einholen.

Titelbild: Jiří Prchlík via Pexels.

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