Stromausfall in der Wohnung: Wann Sie einen Elektro-Notdienst brauchen

Erste Diagnose: Wohnung oder Netz?

Bevor Sie irgendetwas unternehmen, klären Sie eine einfache Frage: Liegt das Problem bei Ihnen oder beim Netzbetreiber?

So finden Sie es heraus:

  • Schauen Sie aus dem Fenster oder treten Sie vor die Tür. Sind Straßenlaternen, Treppenhausbeleuchtung und Nachbarfenster ebenfalls dunkel, handelt es sich um einen Netzausfall. In diesem Fall können Sie nur abwarten — rufen Sie bei längerer Dauer die Störungshotline Ihres Netzbetreibers an.
  • Leuchtet es in der Umgebung normal, liegt das Problem in Ihrer Wohnung oder im Gebäude. Dann geht es weiter zum Sicherungskasten.

Ein Blick aufs Smartphone hilft ebenfalls: Die Websites der großen Netzbetreiber (z. B. Wiener Netze, Stromnetz Berlin, Swissgrid) zeigen aktuelle Störungen in Echtzeit.

Sicherungskasten prüfen: Was Sie selbst tun können

Der Sicherungskasten — in Österreich oft „Stromkasten" oder „Zählerkasten" genannt — befindet sich meist im Flur, Abstellraum oder Keller. Öffnen Sie die Abdeckung und suchen Sie nach einem Schalter, der in der „Aus"-Position steht oder dessen Hebel sich in einer Zwischenstellung befindet.

So gehen Sie vor

  1. Schalten Sie größere Verbraucher aus, die vor dem Ausfall in Betrieb waren (Wasserkocher, Herd, Staubsauger). Ein Kurzschluss in einem dieser Geräte kann die Sicherung ausgelöst haben.
  2. Legen Sie den betroffenen Sicherungsautomaten wieder auf „Ein". Die meisten modernen Automaten müssen Sie erst ganz nach unten drücken, bevor Sie sie einschalten können.
  3. Springt der Automat sofort wieder heraus, liegt ein Defekt in dem betreffenden Stromkreis vor — etwa ein defektes Gerät oder ein beschädigtes Kabel.
  4. Bleibt der Strom an, schließen Sie die zuvor ausgeschalteten Geräte einzeln wieder an. So finden Sie den Übeltäter.

Wichtig: Fassen Sie niemals blanke Drähte, verformte Sicherungen oder offene Anschlussklemmen an. Riecht es verschmort oder sind Verfärbungen sichtbar, lassen Sie den Stromkreis aus und rufen Sie einen Fachbetrieb.

Für den FI-Schalter (Fehlerstrom-Schutzschalter) gilt: Er löst aus, wenn ein Fehlerstrom erkannt wird — zum Beispiel durch ein defektes Elektrogerät mit Erdschluss. Sie können ihn testweise wieder einschalten. Löst er sofort oder innerhalb weniger Minuten erneut aus, trennen Sie alle Geräte vom Netz und versuchen Sie es nochmals. Bleibt das Problem, ist ein Elektriker nötig.

Wann ein Elektro-Notdienst wirklich nötig ist

Ein Anruf beim Notdienst ist sinnvoll, wenn:

  • Die Sicherung wiederholt auslöst, obwohl alle Geräte abgesteckt sind.
  • Es nach verbranntem Kunststoff riecht oder Sie Schmauchspuren sehen.
  • Steckdosen, Schalter oder Kabel sichtbar beschädigt, verfärbt oder warm sind.
  • Der gesamte Haushalt stromlos ist, obwohl bei den Nachbarn alles funktioniert und die Sicherungen in Ordnung scheinen (Problem vor dem Zähler).
  • Sie in einer Mietwohnung keinen Zugang zum Hauptsicherungskasten haben und der Hausmeister nicht erreichbar ist.

In diesen Fällen besteht entweder Brandgefahr oder ein Defekt, der nur ein konzessionierter Betrieb beheben darf.

Was kostet ein Elektro-Notdienst?

Die Kosten setzen sich zusammen aus Anfahrtspauschale, Arbeitszeit und Material. Außerhalb der regulären Geschäftszeiten — abends, nachts, am Wochenende — kommen Zuschläge hinzu.

Land Stundensatz tagsüber Notdienstzuschlag Anfahrt
Deutschland 60–85 € +50 % (abends) bis +100 % (nachts/Feiertag) 50–150 €
Österreich 55–110 € +50 % bis +100 % 40–100 €
Schweiz CHF 80–150 +50 % bis +100 % CHF 80–200

Stand: April 2026. Quellen: WKO Österreich, Handwerkskammer Deutschland, Branchendaten Schweiz.

Ein typischer Nachteinsatz kann in Deutschland also zwischen 200 und 400 € kosten, in Österreich ähnlich, in der Schweiz CHF 300–500 — je nach Aufwand. Wird nur eine Sicherung getauscht, liegt der Betrag am unteren Ende; muss ein defektes Kabel in der Wand lokalisiert werden, steigt er.

Tipp: Fragen Sie bei der telefonischen Annahme nach einer Preisspanne und lassen Sie sich diese bestätigen. Seriöse Betriebe nennen zumindest einen Richtwert für Anfahrt und erste Arbeitsstunde.

Seriöse Elektriker im Notfall finden

Gerade bei Notdiensten gibt es Anbieter, die überhöhte Rechnungen stellen. Ein paar Faustregeln helfen:

Auf diese Punkte achten:

  • Der Betrieb hat eine lokale Adresse und eine Festnetznummer. Reine 0800-Nummern ohne Firmenimpressum sind ein Warnsignal.
  • Die Website zeigt ein Impressum mit Handelsregister- oder Gewerbescheinnummer.
  • Der Preis wird vor Arbeitsbeginn kommuniziert — zumindest als Spanne.
  • Der Monteur kommt im Firmenwagen und trägt Arbeitskleidung mit Logo.

Warnsignale für unseriöse Anbieter:

  • Es wird ein Pauschalpreis von mehreren hundert Euro verlangt, bevor der Fehler analysiert ist.
  • Der Monteur drängt auf Barzahlung ohne Rechnung.
  • Die Rechnung enthält unklare Positionen wie „Spezialwerkzeug" oder „Notfallpauschale" ohne nachvollziehbare Aufschlüsselung.

Im Zweifelsfall rufen Sie bei zwei Anbietern an und vergleichen die genannten Preise. Wenn ein Betrieb deutlich günstiger oder teurer ist als der andere, fragen Sie nach dem Grund.

Was Mieter und Eigentümer wissen sollten

In einer Mietwohnung ist zunächst der Vermieter oder die Hausverwaltung zu informieren, wenn das Problem nicht am Sicherungskasten innerhalb der Wohnung liegt. Bei einem Defekt vor dem Wohnungszähler — also im Hausanschluss oder in der Steigleitung — trägt in der Regel der Eigentümer die Kosten.

Defekte innerhalb der Wohnung (z. B. ein durchgeschmorter Schalter) gehen hingegen oft zulasten des Mieters, sofern sie nicht auf mangelhafte Bausubstanz zurückzuführen sind. Die genauen Regelungen unterscheiden sich je nach Land und Mietvertrag — prüfen Sie im Zweifel Ihren Vertrag oder fragen Sie bei der lokalen Mietervereinigung nach.

So beugen Sie vor

Ein plötzlicher Stromausfall lässt sich nicht immer vermeiden, aber das Risiko senken:

  • Lassen Sie alte Elektroinstallationen regelmäßig prüfen — besonders in Altbauten mit Leitungen aus den 1960er- oder 1970er-Jahren.
  • Überladen Sie keine Steckdosenleisten mit vielen Hochleistungsverbrauchern gleichzeitig.
  • Tauschen Sie defekte Geräte mit beschädigtem Kabel aus, statt sie weiterzubetreiben.
  • Halten Sie eine Taschenlampe griffbereit, damit Sie im Dunkeln sicher zum Sicherungskasten finden.

Betriebe in Ihrer Region finden Sie z. B. über die Suche auf ReparaturProfi.

Dieser Artikel ersetzt keine fachliche Beratung. Im Zweifel den Rat eines konzessionierten Betriebs einholen.

Titelbild: Serghei Niculaev via Pexels.

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