Radon im Haus messen lassen: Kosten, Grenzwerte und Handlungsbedarf
Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Gas, das aus dem Boden aufsteigt und sich in schlecht belüfteten Räumen anreichern kann. Die Belastung ist von außen nicht erkennbar — weder riecht noch sieht man das Gas. Vor der Heizsaison ist ein guter Zeitpunkt, die Konzentration im eigenen Haus prüfen zu lassen: In geschlossenen Räumen steigen die Werte im Winter deutlich an.
Was ist Radon und warum ist es gefährlich
Radon entsteht durch den Zerfall von Uran im Erdreich. Das Gas dringt durch Risse, Fugen und undichte Stellen in Kellerböden oder erdberührenden Wänden ins Gebäude ein. Dort kann es sich in der Raumluft anreichern — besonders in Kellern, Souterrainwohnungen und schlecht belüfteten Erdgeschossen.
Die Gefahr: Beim Einatmen zerfällt Radon in der Lunge weiter und gibt dabei Alphastrahlung ab. Laut Weltgesundheitsorganisation ist Radon nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Das Risiko steigt mit der Konzentration und der Dauer der Exposition.
Ob ein Gebäude betroffen ist, hängt von mehreren Faktoren ab: der geologischen Beschaffenheit des Untergrunds, der Bauweise des Hauses und dem Lüftungsverhalten der Bewohner. Pauschale Aussagen sind daher nicht möglich — nur eine Messung schafft Klarheit.
Grenzwerte und Vorschriften in Österreich, Deutschland und der Schweiz
In allen drei DACH-Ländern gilt ein Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) für Aufenthaltsräume. Dieser Wert ist kein Grenzwert im strengen Sinn, sondern ein Richtwert, unterhalb dessen in der Regel kein Handlungsbedarf besteht.
| Land | Referenzwert | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Österreich | 300 Bq/m³ | Radonschutzverordnung (RnV) |
| Deutschland | 300 Bq/m³ | Strahlenschutzgesetz (StrlSchG) |
| Schweiz | 300 Bq/m³ | Strahlenschutzverordnung (StSV) |
Deutschland hat zusätzlich sogenannte Radonvorsorgegebiete ausgewiesen. In diesen Regionen — etwa Teile von Sachsen, Thüringen, Bayern und dem Schwarzwald — ist die Wahrscheinlichkeit erhöhter Radonwerte statistisch höher. Die Bundesländer sind verpflichtet, diese Gebiete zu veröffentlichen; eine Übersichtskarte bietet das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).
Österreich führt ein Radonpotenzialkataster, das die Belastung auf Gemeindeebene einschätzt. Die Fachstelle Radon beim Bundesministerium für Klimaschutz stellt diese Daten online zur Verfügung.
Die Schweiz verfügt über eine Radonkarte des Bundesamts für Gesundheit (BAG), die das Radonpotenzial nach Gemeinde anzeigt.
Wie eine Radon-Messung abläuft
Für eine belastbare Aussage empfehlen die Behörden aller drei Länder eine Langzeitmessung über mindestens drei Monate, idealerweise während der Heizperiode von Oktober bis März. In dieser Zeit sind Fenster häufiger geschlossen, und die Radonwerte erreichen ihr Maximum.
Passive Dosimeter
Die gängigste Methode sind passive Messgeräte, sogenannte Exposimeter oder Dosimeter. Diese kleinen Kunststoffgehäuse werden in Aufenthaltsräumen aufgestellt — typischerweise im Keller, im Erdgeschoss und in den am häufigsten genutzten Räumen. Nach der Messperiode schickt man die Dosimeter an ein Labor, das die aufgenommene Strahlung auswertet.
Kurzzeitmessung
Elektronische Messgeräte liefern Ergebnisse innerhalb weniger Tage. Diese Kurzzeitmessungen sind jedoch weniger aussagekräftig, da Radonwerte stark schwanken können — je nach Wetterlage, Luftdruck und Lüftungsverhalten. Sie eignen sich als erste Orientierung, ersetzen aber keine Langzeitmessung.
So gehen Sie vor
- Informieren Sie sich über das Radonpotenzial Ihrer Region (BfS in Deutschland, Radon-Fachstelle in Österreich, BAG in der Schweiz).
- Bestellen Sie Dosimeter bei einer anerkannten Messstelle oder nutzen Sie staatliche Angebote.
- Stellen Sie die Geräte in erdberührenden Räumen und im Hauptaufenthaltsbereich auf.
- Lassen Sie die Dosimeter mindestens drei Monate, besser sechs bis zwölf Monate, an Ort und Stelle.
- Senden Sie die Geräte zur Auswertung ein und warten Sie auf den Messbericht.
Kosten für Messung und Auswertung im DACH-Raum
Die Kosten hängen davon ab, ob Sie passive Dosimeter oder elektronische Messgeräte verwenden — und ob staatliche Förderprogramme greifen.
| Land | Kosten pro Dosimeter (inkl. Auswertung) | Quelle |
|---|---|---|
| Deutschland | 30–50 € | Bundesamt für Strahlenschutz, 2026 |
| Österreich | kostenlos (Kontingent begrenzt) | AGES/BMLUK-Programm, 2026 |
| Schweiz | CHF 70–100 | Bundesamt für Gesundheit, 2026 |
Österreich: Die AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) bietet im Auftrag des Bundesministeriums zweimal jährlich kostenlose Radonmessungen für Privathaushalte an. Die Kontingente werden in Kalenderwoche 28 und 48 freigeschaltet und sind meist rasch vergriffen. Die Rücksendekosten trägt der Haushalt selbst.
Deutschland: Anerkannte Messstellen sind auf der Website des BfS gelistet. Für ein typisches Einfamilienhaus mit drei bis vier Dosimetern liegen die Gesamtkosten bei etwa 90–200 €.
Schweiz: Das BAG führt eine Liste anerkannter Radonmessstellen. Einige Kantone bieten vergünstigte oder kostenlose Messungen an — erkundigen Sie sich bei Ihrer kantonalen Fachstelle.
Was tun bei erhöhten Werten
Liegt das Messergebnis über 300 Bq/m³, sollten Sie Maßnahmen ergreifen. Die Dringlichkeit hängt von der Höhe der Überschreitung und der Nutzung der betroffenen Räume ab.
Einfache Maßnahmen bei leicht erhöhten Werten:
- Regelmäßiges Stoßlüften, besonders im Keller und Erdgeschoss
- Abdichten von Rissen und Fugen in Kellerböden und -wänden
- Trennung des Kellerbereichs vom Wohnbereich durch dichte Türen
Bauliche Sanierung bei deutlich erhöhten Werten (ab ca. 600–1.000 Bq/m³):
- Radonabsaugung unter der Bodenplatte (Radondrainage)
- Nachträgliche Abdichtung mit speziellen Folien oder Beschichtungen
- Kontrollierte Wohnraumlüftung mit Überdruck im Gebäude
Die Kosten für eine Sanierung variieren stark. Einfache Lüftungslösungen beginnen bei wenigen hundert Euro. Professionelle Absaugsysteme liegen laut Fachbetrieben im Bereich von 3.000 bis 10.000 € — je nach Gebäudegröße und Komplexität der Maßnahme.
Für die Sanierung kommen je nach Situation unterschiedliche Gewerke infrage: Rauchfangkehrer (AT) bzw. Schornsteinfeger (DE) oder Kaminfeger (CH) prüfen oft auch die Belüftungssituation. Für bauliche Maßnahmen wie Bodenabdichtung oder Drainagesysteme sind Bauunternehmen oder spezialisierte Radonsanierer die richtigen Ansprechpartner.
Fazit
Eine Radon-Messung ist unkompliziert, kostengünstig und liefert Gewissheit. Gerade in Regionen mit erhöhtem Radonpotenzial lohnt es sich, vor der Heizsaison aktiv zu werden. Bei Werten über dem Referenzwert gibt es wirksame Gegenmaßnahmen — von einfachen Lüftungsanpassungen bis hin zu baulichen Sanierungen. Betriebe in Ihrer Region, die bei Belüftung oder baulichen Maßnahmen unterstützen, finden Sie z. B. über die Suche auf ReparaturProfi.
Dieser Artikel ersetzt keine fachliche Beratung. Im Zweifel den Rat eines konzessionierten Betriebs einholen.
Titelbild: Levent Simsek via Pexels.