Heizung ausgefallen: Was Sie jetzt tun sollten
Die Heizung bleibt kalt, obwohl das Thermostat auf Stufe drei steht. Gerade in der Übergangszeit zwischen Spätsommer und Herbst fällt ein solcher Defekt oft unerwartet auf — etwa beim ersten Testlauf nach der Sommerpause. Bevor Sie den Notdienst rufen, lohnt sich ein kurzer Selbstcheck. In vielen Fällen liegt die Ursache an einer Kleinigkeit, die Sie selbst beheben können.
Erste Schritte bei Heizungsausfall — was Sie selbst prüfen können
Nicht jede kalte Heizung ist ein Notfall. Oft liegt die Ursache an einem der folgenden Punkte, die Sie ohne Fachkenntnisse überprüfen können.
Thermostat und Raumregler: Stellen Sie sicher, dass das Thermostat nicht versehentlich auf Frostschutz oder Aus steht. Batteriebetriebene Thermostate verlieren nach einigen Jahren ihre Ladung — ein Batteriewechsel kann das Problem bereits lösen.
Sicherungen und Stromversorgung: Prüfen Sie den Sicherungskasten. Hat die Sicherung für die Heizungsanlage ausgelöst? Moderne Brennwertkessel benötigen eine stabile Stromversorgung. Ein kurzer Stromausfall kann dazu führen, dass die Anlage in den Störungsmodus wechselt.
Brennstoffvorrat: Bei Ölheizungen kann der Tank leer sein, ohne dass Sie es bemerkt haben. Auch Gasheizungen können ausfallen, wenn der Gaszähler oder ein vorgeschaltetes Ventil geschlossen wurde.
Wasserdruck im Heizkreislauf: Die meisten Heizungsanlagen zeigen den Wasserdruck auf einem Manometer an. Liegt der Druck unter 1 bar, muss Wasser nachgefüllt werden. Die Anleitung dazu finden Sie in der Betriebsanleitung Ihrer Anlage.
Entlüften der Heizkörper: Gluckernde Geräusche oder Heizkörper, die oben kalt bleiben, deuten auf Luft im System hin. Mit einem Entlüftungsschlüssel lässt sich das Problem in wenigen Minuten beheben.
Wann ein Notdienst nötig ist und was er kostet
Der Heizungsnotdienst ist für echte Notfälle gedacht — nicht für jede kalte Heizung. Rufen Sie den Notdienst, wenn einer dieser Fälle eintritt:
- Sie riechen Gas oder Heizöl in der Nähe der Anlage.
- Wasser tritt aus der Heizungsanlage oder den Leitungen aus.
- Die Außentemperaturen liegen unter dem Gefrierpunkt und die Heizung lässt sich nicht starten.
- Im Haushalt leben Säuglinge, ältere oder kranke Personen, die auf eine warme Wohnung angewiesen sind.
Bei Gasgeruch gilt: Fenster öffnen, keine elektrischen Schalter betätigen, das Gebäude verlassen und den Gasnotdienst Ihres Versorgers rufen.
Was der Notdienst kostet
Die Kosten für einen Heizungsnotdienst setzen sich aus Anfahrt, Arbeitszeit und Material zusammen. In Deutschland liegen die Stundensätze für Heizungsmonteure regulär zwischen 50 und 90 Euro (Stand 2026, laut Branchenportalen wie Kesselheld und Heizsparer). Für Einsätze außerhalb der Geschäftszeiten — abends, nachts, am Wochenende oder an Feiertagen — kommen Zuschläge von 25 bis 150 Prozent hinzu.
| Kostenart | Richtwert (DE, 2026) |
|---|---|
| Anfahrt Notdienst | 100–250 € |
| Stundensatz Notdienst (Nacht/Wochenende) | 120–180 €/h |
| Gesamtkosten typischer Einsatz | 200–400 € |
In Österreich und der Schweiz bewegen sich die Kosten in einem ähnlichen Rahmen, wobei die Schweizer Handwerkerlöhne tendenziell höher liegen. Fragen Sie vor dem Einsatz nach einem Pauschalpreis — das schützt vor bösen Überraschungen.
Rechte und Pflichten: Mieter vs. Eigentümer im DACH-Raum
Wer für die Reparatur zahlt und wie schnell sie erfolgen muss, hängt davon ab, ob Sie Eigentümer oder Mieter sind — und in welchem Land Sie wohnen.
Deutschland
Fällt die Heizung aus, muss der Vermieter unverzüglich handeln. Im Winter besteht eine besondere Handlungspflicht, da die Wohnung ohne Heizung als nicht vertragsgemäß gilt. Mieter haben Anspruch auf Mietminderung ab dem ersten Tag des Ausfalls. Die Höhe richtet sich nach der Schwere des Mangels: Bei Raumtemperaturen um 15 Grad sind laut Rechtsprechung Minderungen von 50 bis 70 Prozent üblich. Bei völliger Unbewohnbarkeit kann die Minderung bis zu 100 Prozent betragen (Quelle: Deutscher Mieterbund).
Voraussetzung ist eine unverzügliche, am besten schriftliche Mängelanzeige an den Vermieter.
Österreich
Das österreichische Mietrechtsgesetz (MRG) verpflichtet Vermieter zur Erhaltung der Heizungsanlage. Seit 2015 trägt der Vermieter die Kosten für Reparatur oder Austausch von Heizthermen, während die laufende Wartung beim Mieter liegt (Quelle: Mietervereinigung Österreich).
Mieter haben ab dem ersten Tag eines Heizungsausfalls Anspruch auf Mietzinsminderung. Die Höhe kann je nach Einzelfall zwischen 20 und 100 Prozent liegen. Wichtig ist eine schriftliche Mängelanzeige und ein Schadensprotokoll mit Datum und Temperaturmessungen.
Schweiz
In der Schweiz muss der Vermieter während der Heizperiode — von Mitte September bis Mitte Mai — für eine funktionierende Heizung sorgen. Die Mindesttemperatur im Wohnzimmer liegt laut Rechtsprechung bei 20 Grad Celsius. Ein Unterschreiten um 3 bis 5 Grad gilt bereits als Mangel (Quelle: Mieterinnen- und Mieterverband Schweiz).
Reagiert der Vermieter nicht auf eine Mängelanzeige, haben Mieter in der Schweiz ein sogenanntes Ersatzvornahmerecht: Sie können die Reparatur selbst in Auftrag geben und dem Vermieter in Rechnung stellen. Dazu muss zuvor ein eingeschriebener Brief mit angemessener Frist verschickt worden sein. Alternativ können Mieter den Mietzins bei der Schlichtungsbehörde hinterlegen, um Druck aufzubauen.
| Land | Mietminderung möglich | Besonderheit |
|---|---|---|
| Deutschland | 5–100 % | Schriftliche Mängelanzeige erforderlich |
| Österreich | 20–100 % | Vermieter zahlt Thermenreparatur seit 2015 |
| Schweiz | 5–100 % | Ersatzvornahmerecht nach Fristsetzung |
Für Eigentümer
Eigentümer tragen die Reparaturkosten selbst. Prüfen Sie, ob Ihre Gebäudeversicherung oder eine separate Heizungsversicherung Schäden abdeckt — das ist jedoch selten der Fall bei normalem Verschleiß. Wer eine Wartungsvereinbarung mit einem Fachbetrieb hat, erreicht diesen oft auch außerhalb der Geschäftszeiten ohne die hohen Notdienstzuschläge.
Überbrückung: So bleiben die Räume warm bis zur Reparatur
Bis der Techniker eintrifft oder ein Ersatzteil geliefert wird, können einige Stunden oder auch Tage vergehen. Mit diesen Maßnahmen halten Sie die Wohnung erträglich warm:
Räume konzentrieren: Heizen Sie nur einen oder zwei Räume mit alternativen Wärmequellen und halten Sie die Türen geschlossen. So bleibt die Wärme dort, wo Sie sich aufhalten.
Elektrische Heizlüfter: Als kurzfristige Lösung taugen elektrische Heizlüfter oder Radiatoren. Achten Sie auf die Leistung — ein 2-kW-Gerät verbraucht bei Dauerbetrieb etwa 2 Euro pro Stunde an Strom (bei einem Strompreis von 0,40 €/kWh). Geräte nie unbeaufsichtigt laufen lassen und nicht in der Nähe von brennbaren Materialien aufstellen.
Wärmflaschen und Decken: Klingt banal, ist aber effektiv. Eine Wärmflasche im Bett oder auf dem Schoß hält Sie warm, ohne die Stromrechnung in die Höhe zu treiben.
Fenster und Türen abdichten: Zugluft verstärkt das Kältegefühl. Provisorische Dichtungen mit Handtüchern oder Isolierband an undichten Stellen helfen kurzfristig.
Keine offenen Flammen: Kerzen, Campingkocher oder improvisierte Heizungen mit offenem Feuer sind brandgefährlich und können zu Kohlenmonoxidvergiftungen führen. Auch ein Backofen ist keine Heizung.
So finden Sie einen Heizungsbetrieb
Für eine reguläre Reparatur — also außerhalb eines echten Notfalls — lohnt es sich, mehrere Angebote einzuholen. Fragen Sie nach einem Kostenvoranschlag und klären Sie vorab, ob Anfahrtskosten anfallen. Betriebe in Ihrer Region finden Sie zum Beispiel über die Suche auf ReparaturProfi.
Wenn Sie Mieter sind: Informieren Sie zuerst Ihren Vermieter oder die Hausverwaltung. In vielen Fällen hat der Vermieter bereits einen Wartungsvertrag mit einem bestimmten Betrieb.
Dieser Artikel ersetzt keine fachliche Beratung. Im Zweifel den Rat eines konzessionierten Betriebs einholen.
Titelbild: Jan van der Wolf via Pexels.