Mauerwerk verfugen lassen: Kosten und Ablauf der Fugensanierung

Zwischen den Steinen einer Klinkerfassade oder eines Ziegelmauerwerks sitzt der Fugenmörtel — und der altert mit. Nach einigen Jahrzehnten wird er rissig, bröckelt heraus oder verliert seine Haftung. Spätestens wenn Wasser in die Fugen eindringt und Frostschäden drohen, ist eine Fugensanierung fällig. Dieser Artikel erklärt, was dabei passiert, welche Kosten auf Sie zukommen und wann der Fachbetrieb die bessere Wahl gegenüber der Eigenarbeit ist.

Was Fugensanierung bedeutet

Bei einer Fugensanierung — auch Neuverfugen genannt — wird der alte, schadhafte Fugenmörtel aus dem Mauerwerk entfernt und durch frischen Mörtel ersetzt. Das unterscheidet sich grundlegend von einer Putzarbeit: Beim Verputzen wird die gesamte Wandfläche mit einer Mörtelschicht bedeckt, beim Verfugen bleiben die Steine sichtbar. Gerade bei Sichtmauerwerk wie Klinker, Backstein oder historischem Ziegelwerk ist das Fugenbild Teil der Optik.

Die Sanierung wird nötig, wenn Fugen sandend auslaufen, tiefe Risse zeigen oder bereits mehrere Zentimeter ausgewaschen sind. Ein typisches Warnsignal: Nach Regenfällen bleibt die Fassade an bestimmten Stellen länger feucht als anderswo. Das deutet darauf hin, dass Wasser in die offenen Fugen eindringt und vom Mauerwerk aufgenommen wird.

Ablauf einer fachgerechten Fugensanierung

1. Bestandsaufnahme

Ein Fachbetrieb begutachtet zunächst den Zustand der Fugen und des Mauerwerks. Dabei wird festgestellt, wie tief der Schaden reicht, ob einzelne Steine beschädigt sind und welcher Mörteltyp ursprünglich verwendet wurde. Bei denkmalgeschützten Gebäuden gelten oft Auflagen zur Mörtelzusammensetzung.

2. Altmörtel entfernen

Der schadhafte Mörtel wird bis auf eine Tiefe von mindestens 15 bis 20 Millimetern ausgekratzt — bei manchen Schäden auch tiefer. Das geschieht je nach Härte des alten Mörtels von Hand mit Fugenkratzer oder maschinell mit einer Fugenfräse. Je härter der Altmörtel, desto aufwendiger und teurer die Arbeit.

3. Reinigung

Nach dem Auskratzen werden die Fugen von Staub und losen Partikeln befreit. Oft kommt dabei Druckluft oder ein Industriestaubsauger zum Einsatz. Manche Betriebe befeuchten die Fugen anschließend vor, damit der neue Mörtel besser haftet.

4. Neuverfugen

Der frische Fugenmörtel wird mit einer Fugenkelle oder Kartuschenpistole eingebracht und anschließend verdichtet. Die genaue Technik hängt von der Fugenbreite und dem gewünschten Fugenprofil ab. Üblicher Mörtel für Sichtmauerwerk ist Trasszementmörtel, der weniger Ausblühungen verursacht als herkömmlicher Zementmörtel.

5. Nachbehandlung

In den ersten Tagen nach dem Verfugen sollte der Mörtel feucht gehalten werden, damit er gleichmäßig aushärtet. Direkte Sonneneinstrahlung oder Frost in dieser Phase können zu Rissen führen.

Kosten im DACH-Raum

Die Kosten einer Fugensanierung hängen von mehreren Faktoren ab: dem Zustand der alten Fugen, der Steinart und dem Steinformat (ein Normalformat-Klinker hat weniger Fugenmeter pro Quadratmeter als ein Dünnformat), der Gebäudehöhe und damit dem Gerüstbedarf sowie dem verwendeten Mörtel.

Land Preisspanne pro m² Quelle
Deutschland 30–70 € Baupreislexikon.de, 2026
Österreich 30–70 € Baupreislexikon.de / DaiBau.at, 2025–2026
Schweiz 80–140 CHF/Std. (Maurerstunde) Handwerker-Kosten.ch, 2026

Hinweis: In der Schweiz werden Maurerarbeiten üblicherweise nach Stunden abgerechnet. Die angegebene Spanne bezieht sich auf qualifizierte Maurer; Meisterbetriebe liegen am oberen Ende. Für eine 20-Quadratmeter-Fassade sollten Sie in der Schweiz mit mehreren Arbeitsstunden rechnen — ein konkreter Quadratmeterpreis lässt sich ohne Vor-Ort-Begutachtung schwer beziffern.

Zusätzlich können anfallen:

  • Gerüstkosten, falls die Fassade nicht vom Boden aus erreichbar ist (oft 5–15 €/m² Fassadenfläche)
  • Entsorgung des alten Mörtels
  • Spezialfarbe oder Schlämme, wenn die Fugen farblich angepasst werden sollen (Fugen schlämmen kostet in Deutschland etwa 45–60 €/m²)

Typische Fehler bei der Eigenarbeit

Manche Hausbesitzer versuchen, schadhafte Fugen selbst auszubessern. Das kann bei kleinen Stellen funktionieren, führt aber oft zu Problemen:

  • Zu flaches Auskratzen: Wird der alte Mörtel nur oberflächlich entfernt, haftet der neue schlecht und löst sich nach wenigen Jahren wieder.
  • Falscher Mörtel: Handelsüblicher Zementmörtel ist für viele historische Mauerwerke zu hart und kann die Steine schädigen. Historische Ziegel vertragen oft nur Kalkmörtel.
  • Ungleichmäßige Füllung: Lufteinschlüsse oder unvollständig gefüllte Fugen lassen Wasser eindringen.
  • Arbeiten bei falscher Witterung: Frost oder starke Hitze während der Aushärtung führen zu Rissen.

Wer keine Erfahrung mit Maurerarbeiten hat, riskiert bei größeren Flächen mehr Schaden als Nutzen. Für einzelne Fugen an einer Gartenmauer mag die Eigenarbeit vertretbar sein — bei der Hausfassade ist der Fachbetrieb meist die sicherere Wahl.

Wann ist eine Fugensanierung dringend nötig?

  • Fugen sind mehr als fünf Millimeter tief ausgewaschen
  • Mörtel rieselt beim Darüberstreichen ab
  • Feuchteschäden oder Schimmel an der Innenwand hinter der betroffenen Fassade
  • Sichtbare Frostabplatzungen an den Steinkanten

In diesen Fällen sollten Sie zeitnah einen Maurerbetrieb oder Fassadensanierer hinzuziehen. Je länger Wasser ungehindert eindringt, desto größer wird der Schaden am Mauerwerk selbst — und desto teurer die spätere Reparatur.

So finden Sie den richtigen Betrieb

Achten Sie bei der Betriebsauswahl auf Erfahrung mit Sichtmauerwerk und Fugensanierung. Ein Rohbau-Maurer, der sonst nur verputzte Wände hochzieht, kennt sich mit historischen Mörteln oder Klinker-Fassaden nicht unbedingt aus. Fragen Sie nach Referenzobjekten und lassen Sie sich die geplante Mörtelzusammensetzung erklären. Betriebe in Ihrer Region finden Sie z. B. über die Suche auf ReparaturProfi.

Holen Sie mindestens zwei Angebote ein und vergleichen Sie, was jeweils enthalten ist: Gerüst, Entsorgung, Endreinigung. Ein günstiger Quadratmeterpreis nützt wenig, wenn die Nebenkosten separat auflaufen.

Dieser Artikel ersetzt keine fachliche Beratung. Im Zweifel den Rat eines konzessionierten Betriebs einholen.

Titelbild: Tibor Szabo via Pexels.

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