Wärmepumpe im Winter: Wann der Heizstab zuschaltet und was er kostet
Die ersten Nachtfröste liegen hinter Ihnen, und im Menü der Wärmepumpe steht plötzlich eine Zahl, die den ganzen Sommer über bei null war: die Betriebsstunden des elektrischen Zuheizers. Gleichzeitig steigt der Stromverbrauch, während die Effizienzanzeige des Geräts sinkt. Ob das zum Winterbetrieb gehört oder eine teure Fehleinstellung ist, lässt sich an wenigen Anzeigen und einem Blick in die Regelung klären.
Was der Heizstab ist und wann er zuschaltet
Der Heizstab, auch Zuheizer oder elektrische Zusatzheizung genannt, ist ein Heizwendel im Innern der Wärmepumpe. Er erwärmt das Heizungswasser oder den Warmwasserspeicher direkt — ohne den Kältekreis. Physikalisch bedeutet das: Aus einer Kilowattstunde Strom wird rund eine Kilowattstunde Wärme. Die Wärmepumpe holt aus derselben Kilowattstunde Strom ein Mehrfaches an Wärme; wie viel, beschreibt die Jahresarbeitszahl, also das Verhältnis von abgegebener Wärme zu eingesetztem Strom über ein Jahr.
Der Heizstab springt in vier typischen Situationen ein:
- Bivalenzpunkt erreicht. Der Bivalenzpunkt ist jene Außentemperatur, bei der die Leistung der Wärmepumpe gerade noch der Heizlast des Gebäudes entspricht. Sinkt die Temperatur darunter, fehlt Leistung, und die Regelung schaltet den Heizstab zu. Wo dieser Punkt liegt, folgt aus Heizlast, Gerätegröße und Vorlauftemperatur — nicht aus dem Gerät allein.
- Abtauvorgang. Luft-Wasser-Anlagen vereisen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt am Außengerät und tauen in kurzen Zyklen ab. Während des Abtauens wird Wärme aus dem Heizsystem entzogen, danach heizt die Anlage nach. Ein Teil dieser Nachheizung läuft über die Wärmepumpe, ein Teil je nach Regelung über den Heizstab.
- Warmwasserbereitung. Für hohe Speichertemperaturen oder ein Hygiene- und Legionellenprogramm reicht die Verdichterleistung oft nicht aus. Viele Regelungen geben den Heizstab für die Warmwasserladung grundsätzlich frei.
- Notbetrieb. Bei einer Störung am Verdichter, an der Steuerung oder an einem Fühler hält der Heizstab die Anlage in Betrieb, damit das Haus frostfrei bleibt. Als Sicherung sinnvoll, als Dauerzustand teuer.
Wenige Betriebsstunden pro Jahr sind bei einer Luft-Wasser-Anlage normal, vor allem in den kältesten Wochen. Fallen die Werte deutlich höher aus, ist das ein Anlass, die Regelung prüfen zu lassen.
Was der Heizstab für Stromverbrauch und Stromrechnung bedeutet
Die Rechnung ist einfach: Leistung mal Betriebsstunden. Ein Heizstab mit sechs Kilowatt zieht pro Betriebsstunde sechs Kilowattstunden Strom und liefert daraus sechs Kilowattstunden Wärme. Eine Wärmepumpe, die dieselbe Wärmemenge mit einer Jahresarbeitszahl von drei erzeugt, braucht dafür nur zwei Kilowattstunden Strom — die Zusatzheizung zieht also ein Mehrfaches an Strom für dieselbe Wärme.
Für den Preis der Kilowattstunde gibt es drei belastbare Anker: In Deutschland lag der durchschnittliche Haushaltsstrompreis laut BDEW-Strompreisanalyse im Herbst 2026 bei 37,0 Cent je Kilowattstunde. In der Schweiz beziffert die Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom den mittleren Haushaltstarif für 2026 mit 27,7 Rappen je Kilowattstunde. Für Österreich nennt die E-Control im Strompreis-Monitor regionale Werte je Netzgebiet; dort finden Sie auch den Tarifkalkulator für Ihren Verbrauch.
Eine Modellrechnung macht die Größenordnung sichtbar: Ein Heizstab mit sechs Kilowatt, der in einer Heizsaison 100 Stunden läuft, ergibt 600 Kilowattstunden Strom. Umgerechnet sind das in Deutschland rund 220 Euro und in der Schweiz rund 165 Franken. Für Österreich setzen Sie Ihren eigenen Arbeitspreis aus der Stromrechnung ein. Das ist eine Beispielrechnung, keine Zusage für Ihren Verbrauch.
Wann es nicht mehr normal ist
Läuft der Heizstab regelmäßig, steckt selten ein Defekt dahinter, sondern eine Einstellung. Typische Ursachen:
- Heizkurve zu steil. Ist die Vorlauftemperatur höher als nötig, kommt die Wärmepumpe nicht ans Soll und lässt den Heizstab stützen.
- Freigabegrenze zu hoch angesetzt. In der Regelung lässt sich einstellen, ab welcher Außentemperatur der Heizstab zulässig ist. Eine großzügige Einstellung produziert Betriebsstunden ohne technische Not.
- Warmwasser ohne Zeitprogramm. Ist die Speicherladung nicht auf die Tageszeit abgestimmt oder die Solltemperatur sehr hoch, heizt der Stab bei jeder Ladung mit.
- Fehlender hydraulischer Abgleich. Sind einzelne Heizkreise überversorgt, fährt die Anlage eine höhere Vorlauftemperatur als nötig — mit dem Heizstab als Folgekosten.
- Unterbrechungen durch den Netzbetreiber. Nach einer gesteuerten Abschaltung heizt jede Anlage nach. Wird dabei der Heizstab aktiv, entstehen zusätzliche Verbrauchsstunden.
- Dimensionierung. Ist die Wärmepumpe für die Heizlast zu klein gewählt, rechnet der Heizstab den Rest des Winters.
Den Verdacht bestätigt man mit Zahlen, nicht mit dem Gefühl: Fast jede moderne Regelung führt Betriebsstunden und Energiebilanzen des Zuheizers getrennt mit. Notieren Sie diese Werte zwei bis drei Wochen lang und vergleichen Sie sie mit Außentemperaturen und Warmwasserzeiten.
So gehen Sie vor
- Betriebsstunden und Energiebilanz des Heizstabs im Reglermenü auslesen und mit Datum festhalten.
- Zwei bis drei Wochen lang täglich den Zählerstand der Wärmepumpe notieren — so werden Kältephasen und Warmwasserladungen sichtbar.
- Warmwassersolltemperatur, Ladezeiten und ein allfälliges Hygiene- oder Legionellenprogramm prüfen und dokumentieren.
- Beim Fachbetrieb erfragen und schriftlich notieren lassen, wie Bivalenzpunkt, Freigabegrenze des Heizstabs und Vorlaufsollwerte eingestellt sind.
- Eine Messung und Auswertung durch den Heizungsbauer beauftragen, inklusive hydraulischem Abgleich und Nachjustierung der Heizkurve, und vier bis sechs Wochen später nachmessen.
Was Optimierung, Messung und Regelung kosten
Die Kosten haben zwei Teile: die Betriebskosten des Heizstabs und die Arbeitszeit des Fachbetriebs. Die Betriebskosten ergeben sich aus Ihrem Stromtarif und der Laufzeit — nach der oben genannten Quelle in Deutschland 37,0 Cent je Kilowattstunde, in der Schweiz 27,7 Rappen je Kilowattstunde (beide Bezugsjahr 2026). Jede eingesparte Heizstabstunde senkt diese Kosten direkt.
Für die Arbeitszeit gibt es je nach Land sehr unterschiedliche Anhaltspunkte. Die folgende Übersicht nennt Richtwerte und Quellen, keine Fixpreise:
| Land | Anhaltspunkt (Bezugsjahr 2026) | Quelle |
|---|---|---|
| Österreich | Regiestundensätze Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechnik ab 1.1.2026: Monteur 70,66 €, Spezialmonteur 91,28 €, Hilfsmonteur 60,96 € netto je Stunde, zuzüglich Umsatzsteuer. Für zwei bis vier Arbeitsstunden ergibt das rechnerisch rund 140 bis 400 € netto, ohne Anfahrt und Material. | Wirtschaftskammer Österreich (WKO) |
| Deutschland | Gefördert wird der hydraulische Abgleich inklusive Einstellung der Heizkurve: ab 300 € brutto Investitionsvolumen, Grundfördersatz 15 %, Wärmeerzeuger älter als zwei Jahre, höchstens fünf Wohneinheiten. Optimierungsaufträge liegen damit im unteren bis mittleren dreistelligen Bereich. | Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) |
| Schweiz | Öffentlich publizierte Kammer-Stundensätze gibt es nicht; Betriebe kalkulieren betriebsindividuell. Für Förderbeiträge verlangen viele Kantone eine Anlage nach dem Wärmepumpen-System-Modul (WPSM). | Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz (FWS) |
Zur österreichischen Zahl: Die Regiestundensätze legt das Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft fest, sie gelten nur für Leistungen, die nicht Gegenstand einer Ausschreibung waren. Für Angebotsarbeiten kalkulieren Betriebe oft darüber.
Sperrzeiten, Tarife und Förderung: die Unterschiede in AT, DE und CH
In Deutschland sind neue Wärmepumpen mit einer Netzanschlussleistung über 4,2 Kilowatt seit dem 1. Januar 2024 steuerbare Verbrauchseinrichtungen im Sinne des § 14a EnWG; die Bundesnetzagentur zählt dazu ausdrücklich auch Zusatz- und Notheizvorrichtungen wie Heizstäbe. Der Netzbetreiber darf den Bezug zur Abwendung einer Netzüberlastung vorübergehend auf bis zu 4,2 Kilowatt reduzieren, im Gegenzug gibt es ein reduziertes Netzentgelt. Bestandsanlagen mit vereinbarter Steuerung behalten die alten Bedingungen bis längstens 31. Dezember 2028. Bei vorbeugender Steuerung sind höchstens zwei Stunden pro Tag zulässig, längstens über 24 Monate.
In Österreich und in der Schweiz sind Sperrzeiten und günstigere Wärmepumpentarife Sache des jeweiligen Netzbetreibers. Umfang der Unterbrechungen, Zeitfenster und Messkonzept stehen im Tarifblatt, in den Werkvorschriften und im Netzanschlussvertrag. Wer wissen will, ob und wann seine Anlage gesperrt werden kann, fragt diese Bedingungen direkt beim Netzbetreiber ab.
Eine Unterbrechung durch den Netzbetreiber ist kein Fehler der Anlage. Sie erklärt aber, warum nach einer Sperre vermehrt geheizt wird — und warum eine Regelung, die dabei den Heizstab zuschaltet, den Verbrauch nach oben treibt. Prüfen Sie deshalb auch die Einstellungen zur Nachheizung, nicht nur die Heizkurve.
Förderbedingungen für Optimierung und Heizungstausch unterscheiden sich zwischen Österreich, Deutschland und der Schweiz erheblich und ändern sich laufend. Klären Sie den aktuellen Stand vor der Beauftragung bei der lokalen Kammer.
Wenn Ihr Heizstab nach der ersten kalten Woche deutlich mehr Betriebsstunden zeigt als erwartet, ist ein Termin beim Heizungsbauer sinnvoller als jede Eigenkorrektur in der Regelung. Bringen Sie die abgelesenen Betriebsstunden und Zählerstände mit — damit lässt sich die Ursache meist in einem Termin eingrenzen. Betriebe in Ihrer Region finden Sie z. B. über die Suche auf ReparaturProfi.
Dieser Artikel ersetzt keine fachliche Beratung. Im Zweifel den Rat eines konzessionierten Betriebs einholen.
Titelbild: MARIANNE RIXHON via Pexels.