Photovoltaik im Winter: Ertrag, Schnee und Frostschutz
Der erste Schneefall liegt auf dem Dach, und die Überwachung Ihrer Anlage zeigt nur noch wenige Watt statt der gewohnten Leistung. Wer eine Photovoltaikanlage betreibt, fragt sich dann, ob die Module Schaden nehmen, ob der Schnee herunter muss und was der Winter für den Jahresertrag bedeutet. Weder Schnee noch Frost zerstören eine fachgerecht errichtete Anlage — der Ertragsverlust ist aber real, und das größte Risiko ist der Versuch, ihn selbst zu beheben.
Was Photovoltaik im Winter wirklich leistet
Im Winter sinkt vor allem die Einstrahlung. Die Tage sind kurz, die Sonne steht tief, und Hochnebel kann tagelang jede direkte Strahlung nehmen. Nach der Strahlungsdatenbank PVGIS der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission entfallen auf die vier Monate November bis Februar je nach Region nur rund 13 bis 18 Prozent des Jahresertrags. Dezember und Januar kommen zusammen auf etwa 5 bis 7 Prozent.
Kälte ist dabei nicht das Problem. Die Datenblätter der Modulhersteller nennen einen Temperaturkoeffizienten von rund 0,3 bis 0,4 Prozent je Grad: Über 25 Grad Zelltemperatur verliert ein Modul Leistung, darunter gewinnt es sie hinzu. An einem klaren Frosttag liegt die Leistung deshalb über der Nennleistung — das fehlende Licht gleicht das aber nicht aus.
Frost wird vor allem bei der Auslegung relevant. Bei tiefen Temperaturen steigt die Leerlaufspannung der Module; die zu einem Strang zusammengefassten Module müssen so gewählt sein, dass die höchste Eingangsspannung des Wechselrichters auch an einem klaren Frostmorgen nicht überschritten wird. Bei einer fachgerechten Planung ist das berücksichtigt.
Die Neigung entscheidet mit: Steile Dächer ab etwa 60 Grad und Fassadenmodule liefern im Winter spürbar mehr als ein flaches Süddach, verlieren im Sommer aber wieder. Bleibt der Ertrag auch nach dem Tauwetter an klaren Tagen deutlich unter dem Vorjahreswert, steckt eher eine Störung dahinter als das Wetter (PV-Anlage liefert weniger Strom: Ursachen und wann der Solarteur hilft).
Schnee auf den Modulen: wann Räumen sinnvoll ist
Auf glatten, geneigten Modulen rutscht Schnee meist innerhalb weniger Tage von selbst ab, weil sich das Glas in der Sonne erwärmt und Schmelzwasser als Gleitschicht wirkt. Eine dünne Schneeschicht lässt außerdem noch Licht durch; erst wenn die Decke dick, verdichtet oder überfroren ist, sinkt die Leistung fast auf null. Nur dann stellt sich die Frage, ob sich Räumen lohnt.
Rechnerisch selten: Selbst wenn eine Anlage zwei Wochen völlig zugedeckt bleibt, fehlt in dieser Zeit nur ein Bruchteil des Jahresertrags, weil Dezember und Januar ohnehin die schwächsten Monate sind. Dem stehen erhebliche Risiken gegenüber. Vereiste Dachflächen sind gefährlich, harte Werkzeuge zerkratzen das Glas, und Schaufeln oder Besen können unsichtbare Mikrorisse in den Zellen verursachen, die den Ertrag dauerhaft senken.
Wenn geräumt werden soll, dann nur durch einen Fachbetrieb mit geeigneter Absturzsicherung. Vor der ersten Reinigung lohnt ein Blick in die Vorgaben des Modulherstellers, denn eine unsachgemäße Behandlung kann den Garantieanspruch gefährden. Vom Boden aus kommen allenfalls weiche Teleskopgeräte infrage, und auch das nur bei sicherem Stand.
Ein zweites Risiko hat mit dem Räumen nichts zu tun: Rutscht der Schnee als Dachlawine von der glatten Modulfläche, kann er Wege, Eingänge oder geparkte Fahrzeuge treffen. Schneefanggitter an der Traufe halten ihn zurück (Schneefanggitter nachrüsten: Pflicht, Kosten und Montage).
So gehen Sie vor
- Ertrag vergleichen: Legen Sie die Monatswerte Ihrer Anlagenüberwachung neben die Werte des Vorjahres. Weicht ein Monat stark ab, obwohl das Wetter ähnlich war, lohnt die genauere Prüfung.
- Vom Boden aus kontrollieren: Prüfen Sie mit dem Fernglas, ob Module verrutscht oder gebrochen sind und ob Kabel oder Steckverbinder lose hängen.
- Dach nicht betreten: Schnee, Eis und glatte Modulflächen sind im Winter ein zu großes Unfallrisiko.
- Räumen nur bei triftigem Grund beauftragen: etwa dick überfrorene Schneelagen, die über Wochen liegen bleiben. Beauftragen Sie dann einen Fachbetrieb mit Absturzsicherung.
- Abrutschbereich freihalten: Räumen Sie Wege, Eingänge und Stellplätze unter der Traufe und prüfen Sie vorhandene Schneefanggitter.
- Reinigung und Wartung in frostfreie Zeit legen: Verbinden Sie beides mit dem Frühjahrscheck, damit die Anfahrt nur einmal anfällt.
Schneelast: was Module und Unterkonstruktion aushalten
Module werden nach der Norm IEC 61215 mechanisch geprüft. Üblich sind Prüflasten von 2400 Pascal, für schneereiche Lagen 5400 Pascal; umgerechnet entspricht 1000 Pascal rund 100 Kilogramm pro Quadratmeter, 5400 Pascal also etwa 550 Kilogramm pro Quadratmeter. Diese Prüflast gilt für das Modul allein und sagt nichts über die zulässige Last des Daches aus.
Entscheidend ist die Statik des Gebäudes: Dach und Unterkonstruktion müssen auf die Schneelast des Standorts ausgelegt sein. Welche Regeln gelten, unterscheidet sich zwischen den drei Ländern.
| Land | Grundlage der Schneelast | Besonderheit |
|---|---|---|
| Österreich | ÖNORM B 1991-1-3 | Charakteristische Schneelast je Zone und Seehöhe |
| Deutschland | DIN EN 1991-1-3 mit der amtlichen Zonenkarte des DIBt (Deutsches Institut für Bautechnik) | Schneelastzonen mit Zwischenstufen |
| Schweiz | SIA 261:2020-08 | Bezugshöhe je Zone, die Last steigt mit der Meereshöhe |
Wer eine Anlage auf einem bestehenden Dach plant, sollte deshalb vor der Montage klären, welche Schneelast am Standort gilt und ob die Dachkonstruktion sie mit Reserve aufnehmen kann (Photovoltaikanlage installieren lassen: Kosten und Ablauf). Auf Flachdächern sammelt sich der Schnee zwischen den aufgeständerten Modulreihen; diese Zusatzlast gehört in die Planung.
Warnzeichen für eine Überbeanspruchung sind sichtbar durchgebogene Tragschienen, verformte Dachflächen oder neue Risse an der Decke darunter. In solchen Fällen sollte ein Fachbetrieb Dach und Unterkonstruktion prüfen, bevor weiterer Schnee dazukommt. Fachbetriebe weisen außerdem darauf hin, dass unsachgemäßes Räumen Module häufiger beschädigt als die Schneeauflage selbst.
Kosten: Reinigung, Wartung und mögliche Frostschäden
Für Deutschland nennt das Fachportal energie-experten.org für die professionelle Reinigung 1 bis 3 Euro pro Quadratmeter Modulfläche. Bei kleinen Anlagen sind Festpreise verbreitet: rund 80 bis 95 Euro netto bis 5 Kilowatt-Peak und rund 150 bis 180 Euro netto für 6 bis 10 Kilowatt-Peak (Angaben mit Stand 2024). Ob ein Betrieb pauschal, pro Modul oder pro Fläche abrechnet, ist unterschiedlich; vergleichbar werden Angebote erst mit Angabe der Modulfläche.
In Österreich und der Schweiz gelten eigene Preisniveaus, die je nach Region und Zugänglichkeit abweichen; belastbar ist dort nur der Kostenvoranschlag des jeweiligen Betriebs. Wartung und Sichtprüfung werden meist nach Aufwand abgerechnet, die Kosten richten sich nach Anlagengröße, Zugänglichkeit und Umfang der Arbeiten.
Frostschäden betreffen selten die Module selbst, häufiger Kabel, Steckverbinder und Anschlussdosen, in die Feuchtigkeit eingedrungen ist, sowie den Wechselrichter. Solche Schäden zeigen sich oft erst beim Wiederanlauf oder über einen sinkenden Ertrag. Die Reparaturkosten hängen vom Befund ab und gehören in einen schriftlichen Kostenvoranschlag (PV-Anlage reinigen und warten lassen: Kosten und Intervalle).
Regionale Unterschiede und häufige Fehler
Die Normen zur Schneelast unterscheiden sich zwischen Österreich, Deutschland und der Schweiz. Auch die Praxis beim Räumen ist nicht einheitlich, und Pflichten zur Räumung sind landes- und gemeindespezifisch geregelt — klären Sie den Einzelfall bei der zuständigen Gemeinde oder Kammer. Typische Fehler wiederholen sich dabei:
- Selbst auf das Dach steigen und mit Schaufel, Eiskratzer oder Hochdruckreiniger arbeiten.
- Die Prüflast des Moduls mit der zulässigen Dachlast verwechseln.
- Eine Anlage auf einem alten Dach montieren, ohne die Schneelastreserve der Konstruktion zu prüfen.
- Dachlawinen und den Abrutschbereich über Eingängen oder Stellplätzen ignorieren.
- Schnee mit heißem Wasser abtauen — die Temperaturunterschiede belasten Glas und Zellen.
Behandeln Sie den Winter als Beobachtungszeitraum: Ertragsdaten im Blick behalten, die Anlage einmal von unten kontrollieren und das Dach nicht betreten. Bleibt der Ertrag nach dem Tauwetter oder an klaren, kalten Tagen deutlich hinter dem Vorjahr zurück, sollte ein konzessionierter Elektro- oder PV-Betrieb die Anlage prüfen. Betriebe in Ihrer Region finden Sie z. B. über die Suche auf ReparaturProfi.
Dieser Artikel ersetzt keine fachliche Beratung. Im Zweifel den Rat eines konzessionierten Betriebs einholen.
Titelbild: Mustafa Mašetić via Pexels.