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Betonarbeiten im Hochsommer: Warum eine Verschiebung oft sinnvoll ist

Ihr Bauunternehmen verschiebt den geplanten Betoniertermin, weil es zu heiß ist. Was auf den ersten Blick nach Ausrede klingt, hat handfeste technische Gründe. Beton reagiert empfindlich auf hohe Temperaturen, und wer trotzdem betoniert, riskiert Schäden, die später teuer werden. Dieser Artikel erklärt, warum Verschiebungen bei Hitze fachlich begründet sind und was Sie als Auftraggeber wissen sollten.

Warum Hitze für Beton zum Problem wird

Beton erhärtet durch eine chemische Reaktion zwischen Zement und Wasser, die sogenannte Hydratation. Diese Reaktion benötigt Wasser, und genau hier liegt das Problem bei Hitze: Je höher die Temperatur, desto schneller verdunstet das Wasser an der Oberfläche. Der Beton trocknet aus, bevor er richtig aushärten kann.

Die Folgen sind messbar. Bei hohen Außentemperaturen und direkter Sonneneinstrahlung entstehen sogenannte Schwindrisse, weil die Oberfläche schneller trocknet als das Innere. Diese Risse sind nicht nur optisch störend, sondern können die Tragfähigkeit beeinträchtigen und Feuchtigkeit eindringen lassen.

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Hinzu kommt: Wärme beschleunigt die Hydratation selbst. Das klingt zunächst positiv, führt aber dazu, dass der Beton zu schnell steif wird. Die Verarbeitungszeit verkürzt sich drastisch, Verdichten und Glätten werden schwieriger, und die Endfestigkeit kann geringer ausfallen als geplant. Laut dem Verein Deutscher Zementwerke (VDZ) steigt bei Frischbetontemperaturen um 30 °C das Risiko für Rissbildung und Festigkeitsverlust erheblich.

Ab welcher Temperatur wird verschoben

Die einschlägigen Normen geben klare Grenzen vor. Nach DIN EN 206, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz als Grundlage dient, soll die Frischbetontemperatur 30 °C nicht überschreiten. Die österreichische ÖNORM B 4710-1 und die schweizerische SIA 262 orientieren sich an ähnlichen Werten.

Land Norm Grenzwert Frischbeton
Deutschland DIN EN 206 / DIN 1045-3 max. 30 °C
Österreich ÖNORM B 4710-1 max. 30 °C
Schweiz SIA 262 / EN 206 max. 30 °C

Das bedeutet nicht, dass bei 30 °C Außentemperatur automatisch Schluss ist. Entscheidend ist die Temperatur des Betons selbst, nicht der Luft. Bei praller Sonne, heißem Untergrund und aufgeheizten Materialien kann der Frischbeton jedoch schnell kritische Werte erreichen.

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Alternativen zur kompletten Verschiebung

Erfahrene Bauunternehmen haben Möglichkeiten, auch bei warmem Wetter zu betonieren. Dazu gehören:

  1. Nachtarbeit oder frühe Morgenstunden — Betonieren zwischen 4 und 10 Uhr, wenn Luft und Untergrund noch kühler sind.
  2. Gekühltes Anmachwasser — Betonwerke können kaltes Wasser oder Eis verwenden, um die Frischbetontemperatur zu senken.
  3. Schatten und Vornässen — Schalung, Bewehrung und Untergrund werden vor dem Einbau abgedeckt oder mit Wasser gekühlt.
  4. Sofortige Nachbehandlung — Die Betonoberfläche wird unmittelbar nach dem Einbau mit Folie abgedeckt oder mit Nachbehandlungsmittel besprüht, um Verdunstung zu verhindern.
  5. Regelmäßiges Feuchthalten — Bei starker Hitze muss die Oberfläche alle ein bis zwei Stunden mit feinem Sprühnebel befeuchtet werden.

Wichtig: Kaltes Wasser zur Nachbehandlung ist riskant. Der Temperaturschock kann selbst Risse verursachen. Das Wasser sollte nicht wesentlich kälter sein als der Beton.

Diese Maßnahmen verursachen Mehraufwand. Wenn die Bedingungen zu extrem sind, ist eine Verschiebung um wenige Tage oft wirtschaftlicher und sicherer.

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Was das für Ihren Bautermin bedeutet

Eine hitzebedingte Verschiebung ist in den meisten Bauverträgen kein Vertragsbruch. Witterungseinflüsse gelten als höhere Gewalt oder zumindest als berechtigter Grund für eine Bauzeitverlängerung. In Deutschland regelt die VOB/B in § 6, dass der Auftragnehmer bei witterungsbedingten Behinderungen Anspruch auf Fristverlängerung hat. Ähnliche Regelungen finden sich in der österreichischen ÖNORM B 2110 und der schweizerischen SIA 118.

Für Sie als Auftraggeber bedeutet das:

  • Keine Vertragsstrafe bei witterungsbedingter Verzögerung, sofern der Betrieb die Behinderung rechtzeitig anzeigt.
  • Mehrkosten möglich — Wenn die Verschiebung zusätzliche Baustelleneinrichtung oder Wartezeiten für andere Gewerke verursacht, können diese Kosten entstehen. Die genaue Verteilung hängt vom Vertrag ab.
  • Dokumentation wichtig — Lassen Sie sich die Gründe für die Verschiebung schriftlich bestätigen. Das schützt beide Seiten.

Seriöse Betriebe informieren Sie proaktiv, wenn eine Hitzewelle bevorsteht. Skepsis ist angebracht, wenn die Verschiebung erst am Tag selbst ohne nachvollziehbare Begründung erfolgt.

Gewährleistung und Normen in Österreich, Deutschland und der Schweiz

Wird trotz kritischer Bedingungen betoniert und entstehen später Schäden, stellt sich die Haftungsfrage. Die Gewährleistungsfristen unterscheiden sich je nach Land und Vertragsgrundlage:

Land Vertragsgrundlage Gewährleistungsfrist
Deutschland BGB (Werkvertrag) 5 Jahre
Deutschland VOB/B 4 Jahre
Österreich ABGB / ÖNORM B 2110 3 Jahre
Schweiz OR / SIA 118 2 Jahre Rügefrist, danach 3 weitere Jahre für verdeckte Mängel

Risse, die auf unsachgemäßes Betonieren bei Hitze zurückzuführen sind, gelten als Ausführungsmangel. Der Auftragnehmer haftet, wenn nachgewiesen werden kann, dass die anerkannten Regeln der Technik nicht eingehalten wurden. Die oben genannten Normen (DIN EN 206, ÖNORM B 4710-1, SIA 262) definieren diese Regeln.

In der Praxis ist der Nachweis jedoch schwierig. Risse können viele Ursachen haben, und nicht jeder Riss ist ein Mangel. Sogenannte Schwindrisse in Sichtbeton können beispielsweise auch bei korrekter Ausführung auftreten. Ein Bausachverständiger kann klären, ob die Risse auf Hitzeeinwirkung zurückzuführen sind.

So gehen Sie vor

  1. Dokumentieren Sie die Witterungsbedingungen am Betoniertag, falls Sie anwesend sind. Fotos mit Zeitstempel und Temperaturangaben helfen.
  2. Reklamieren Sie Risse oder andere Auffälligkeiten zeitnah und schriftlich beim ausführenden Betrieb.
  3. Holen Sie bei strittigen Fällen einen unabhängigen Bausachverständigen hinzu, bevor Sie weitere Schritte einleiten.

Was eine Verschiebung kostet — und was sie spart

Die direkten Mehrkosten einer Verschiebung sind überschaubar: Baustelleneinrichtung bleibt einen Tag länger stehen, eventuell muss eine neue Betonlieferung koordiniert werden. Konkrete Beträge hängen stark von der Projektgröße ab.

Die Kosten einer Sanierung sind dagegen erheblich. Oberflächliche Risse lassen sich noch relativ einfach verspachteln, aber tiefgreifende Schäden an tragenden Bauteilen können Abbruch und Neuguss erfordern. Bei einer Bodenplatte oder einem Fundament kann das schnell in den fünfstelligen Bereich gehen.

Die Verschiebung ist daher meist die günstigere Variante, auch wenn sie kurzfristig ärgerlich erscheint.

Fazit

Wenn Ihr Bauunternehmen bei extremer Hitze den Betoniertermin verschiebt, handelt es in der Regel fachlich korrekt. Die Normen in allen drei DACH-Ländern begrenzen die zulässige Frischbetontemperatur auf etwa 30 °C, und die Risiken bei Überschreitung sind real. Fragen Sie nach den genauen Gründen und lassen Sie sich die Verschiebung dokumentieren. Betriebe in Ihrer Region finden Sie beispielsweise über die Suche auf ReparaturProfi.

Dieser Artikel ersetzt keine fachliche Beratung. Im Zweifel den Rat eines konzessionierten Betriebs einholen.

Titelbild: YAWALO by Fonnzzzy via Pexels.

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