Blitzschlag am Haus: Was nach dem Einschlag zu tun ist

Ein Gewitter zieht ab, und Sie bemerken, dass etwas nicht stimmt: Die Sicherung ist gefallen, der Router ist tot, oder am Dach sind Ziegel gesprungen. Ein direkter oder indirekter Blitzeinschlag kann innerhalb von Sekundenbruchteilen erhebliche Schäden verursachen. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Schritten lässt sich der Schaden eingrenzen, dokumentieren und in der Regel über die Versicherung regulieren.

Sofortmaßnahmen nach einem Blitzeinschlag

Sicherheit hat Vorrang. Wenn Sie vermuten, dass ein Blitz direkt in Ihr Gebäude eingeschlagen hat, gehen Sie wie folgt vor:

  1. Hauptsicherung ausschalten: Legen Sie den FI-Schutzschalter oder den Hauptschalter im Sicherungskasten um. Dadurch verhindern Sie weitere Schäden durch defekte Leitungen und reduzieren die Brandgefahr.

  2. Brandgeruch oder Rauch prüfen: Ein Blitz kann Schwelbrände im Dachstuhl oder in Hohlräumen auslösen. Wenn Sie Rauch bemerken oder unsicher sind, rufen Sie die Feuerwehr.

  3. Keine Geräte einschalten: Schließen Sie vorerst keine Elektrogeräte wieder an. Selbst wenn die Sicherung wieder eingeschaltet werden kann, sind möglicherweise Leitungen oder Geräte beschädigt.

  4. Schäden dokumentieren: Fotografieren Sie sichtbare Schäden an Gebäude, Dach und Geräten. Diese Dokumentation ist für die Versicherungsmeldung wichtig.

Ein indirekter Blitzeinschlag in der näheren Umgebung kann ebenfalls Überspannungsschäden verursachen, ohne dass am Gebäude selbst Einschlagspuren sichtbar sind. Fallen mehrere Geräte gleichzeitig aus oder zeigt der Sicherungskasten Auffälligkeiten, sollten Sie ebenfalls einen Elektrofachbetrieb hinzuziehen.

Welche Schäden entstehen durch Blitzschlag

Ein Blitz kann je nach Einschlagsart unterschiedliche Schäden verursachen:

Elektrik und Elektronik

Die häufigsten Schäden betreffen die Elektroinstallation. Überspannung zerstört empfindliche Bauteile in Routern, Fernsehern, Computern, Heizungssteuerungen und Smart-Home-Systemen. In schweren Fällen sind auch fest installierte Geräte wie Herd, Kühlschrank oder die Wärmepumpe betroffen. Leitungen und Steckdosen können durch die Überlastung verschmoren.

Dach und Bausubstanz

Bei einem direkten Einschlag können Dachziegel splittern, Holzbalken verkohlen oder Risse in Mauerwerk entstehen. Blitze suchen sich den Weg des geringsten Widerstands — das können Regenrinnen, Antennenmasten oder feuchte Stellen im Mauerwerk sein.

Folgeschäden

Nicht immer zeigen sich alle Schäden sofort. Schwelende Stellen im Dachstuhl können erst Stunden später zu Problemen führen. Auch bei der Elektrik können Defekte auftreten, die zunächst unbemerkt bleiben.

Reparatur: Welcher Fachbetrieb ist zuständig

Nach der Erstversorgung sollten Sie je nach Schadensart die passenden Fachbetriebe beauftragen:

Elektriker (Elektrotechniker / Elektroinstallateur): Prüfung der gesamten Elektroinstallation, Austausch beschädigter Leitungen, Sicherungen und Schutzeinrichtungen. Erst nach einer fachgerechten Prüfung sollte die Anlage wieder in Betrieb genommen werden.

Dachdecker: Begutachtung und Reparatur von Dachschäden — gesprungene Ziegel, beschädigte Dachrinnen oder verkohlte Stellen am Dachstuhl.

Spengler (AT/CH) bzw. Klempner/Flaschner (DE): Falls Blechverkleidungen, Rinnen oder Fallrohre betroffen sind.

Maurer oder Bauunternehmen: Bei Rissen im Mauerwerk oder Schäden an der Fassade.

Für die Versicherungsmeldung ist es sinnvoll, vor Beginn der Reparaturarbeiten einen Kostenvoranschlag einzuholen und diesen mit der Versicherung abzustimmen.

Versicherung: Wer zahlt für Blitzschäden

Die Frage, welche Versicherung zuständig ist, hängt davon ab, was beschädigt wurde:

Schaden an Zuständige Versicherung
Gebäude (Dach, Mauerwerk, fest verbaute Elektrik) Gebäudeversicherung
Bewegliche Gegenstände (Möbel, Elektronik, Haushaltsgeräte) Hausratversicherung (AT: Haushaltsversicherung)

Besonderheiten nach Land

Österreich: Die Haushaltsversicherung deckt in der Regel Blitzschäden an beweglichem Inventar ab. Schäden am Gebäude selbst fallen unter die Eigenheimversicherung oder Gebäudeversicherung. Melden Sie den Schaden zeitnah bei Ihrer Versicherung (laut Durchblicker.at und Finanzinfo.at).

Deutschland: Die Wohngebäudeversicherung übernimmt Schäden am Haus, die Hausratversicherung Schäden an Ihrem Inventar. Achten Sie darauf, ob Überspannungsschäden explizit mitversichert sind — bei älteren Verträgen kann das fehlen (laut GVV Direkt und Cosmosdirekt).

Schweiz: In den meisten Kantonen ist die Gebäudeversicherung obligatorisch und über die kantonale Gebäudeversicherung geregelt. Sie deckt Blitzschäden am Gebäude ab. Für bewegliche Sachen ist die Hausratversicherung zuständig (laut Comparis und Helvetia).

Wichtig bei der Schadenmeldung

Dokumentieren Sie alle Schäden mit Fotos und erstellen Sie eine Liste der betroffenen Gegenstände mit ungefährem Wert. Heben Sie beschädigte Geräte auf, bis die Versicherung grünes Licht gibt. Die Meldung sollte so rasch wie möglich erfolgen — viele Versicherungen erwarten dies innerhalb weniger Tage.

Für die Zukunft: Blitz- und Überspannungsschutz nachrüsten

Nach einem Blitzereignis lohnt sich die Überlegung, das Haus besser zu schützen. Ein umfassendes Schutzkonzept besteht aus zwei Komponenten:

Äußerer Blitzschutz (Blitzableiter): Fängt den Blitz gezielt ab und leitet ihn über Ableitungen und eine Erdungsanlage ins Erdreich. Die Nachrüstung an einem Einfamilienhaus kostet laut Branchenportalen wie MyHammer und Sanier.de zwischen 3.700 und 5.700 Euro (Stand 2025/2026), wobei die Erdungsarbeiten den größten Anteil ausmachen.

Innerer Blitzschutz (Überspannungsschutz): Schützt die Elektroinstallation und angeschlossene Geräte vor Spannungsspitzen. Überspannungsableiter (SPD) werden im Sicherungskasten installiert und bauen gefährliche Spannungen stufenweise ab. Die Kosten für Material und Installation liegen bei etwa 300 bis 400 Euro für einen Basis-Schutz; je nach Aufwand und regionalen Stundensätzen kann die Montage weitere 200 bis 1.000 Euro betragen (laut Energie-Experten.org und Kostencheck.de).

Seit 2018 ist der Einbau von Überspannungsschutz bei Neuinstallationen und größeren Renovierungen in Deutschland Pflicht. Für Bestandsgebäude gilt das nicht zwingend, eine Nachrüstung ist aber aus Sicherheitsgründen empfehlenswert.

So gehen Sie vor

  1. Lassen Sie nach einem Blitzeinschlag die gesamte Elektroinstallation von einem Elektrofachbetrieb prüfen.
  2. Holen Sie parallel einen Kostenvoranschlag für Dachreparaturen ein, falls sichtbare Schäden vorliegen.
  3. Melden Sie den Schaden Ihrer Gebäude- und Hausratversicherung mit Fotos und Schadensliste.
  4. Stimmen Sie größere Reparaturen mit der Versicherung ab, bevor Sie Aufträge erteilen.
  5. Prüfen Sie, ob sich die Nachrüstung von Überspannungsschutz oder einer Blitzschutzanlage für Ihr Gebäude lohnt.

Betriebe in Ihrer Region finden Sie etwa über die Suche auf ReparaturProfi, wo Elektriker, Dachdecker und weitere Gewerke nach Standort filterbar sind.

Dieser Artikel ersetzt keine fachliche Beratung. Im Zweifel den Rat eines konzessionierten Betriebs einholen.

Titelbild: Eddson Lens via Pexels.

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