Elektroleitungen im Altbau erneuern: Kosten und Ablauf

In vielen Altbauten stammt die Elektroinstallation noch aus den 1960er- bis 1980er-Jahren. Damals waren deutlich weniger Steckdosen üblich, FI-Schutzschalter fehlten oft vollständig, und die Leitungsquerschnitte waren auf den Strombedarf von Röhrenfernsehern und einzelnen Haushaltsgeräten ausgelegt. Wer heute eine Küche mit Induktionsherd, Geschirrspüler und mehreren Kleingeräten betreibt, stößt mit solchen Installationen schnell an Grenzen.

Wann muss die Elektrik erneuert werden

Nicht jede alte Leitung ist automatisch ein Sanierungsfall. Doch bestimmte Anzeichen sprechen dafür, dass eine Erneuerung dringend ansteht:

  • Aluminiumleitungen: In den 1960er- und 1970er-Jahren verbreitet, heute nicht mehr zulässig. Aluminium oxidiert an den Klemmstellen und kann Übergangswiderstände bilden, die zu Wärmeentwicklung führen.
  • Stoffummantelte Leitungen: Häufig in Vorkriegsbauten. Die Isolierung ist nach Jahrzehnten spröde und kann brechen.
  • Fehlende oder unzureichende Absicherung: Schraubsicherungen ohne FI-Schutz, zu wenige Stromkreise, keine getrennten Kreise für Großverbraucher.
  • Häufige Auslöser: Sicherungen fliegen regelmäßig, Steckdosen werden warm, Lichtschalter knistern.
  • Geplante Sanierung: Bei einer ohnehin anstehenden Kernsanierung ist es wirtschaftlich sinnvoll, die Elektrik mitzunehmen, solange die Wände offen sind.

Als Faustregel gilt: Installationen, die älter als 40 Jahre sind und nie überprüft wurden, sollten zumindest einem E-Check unterzogen werden. Der Elektriker kann dann beurteilen, ob Teilmaßnahmen ausreichen oder eine Kompletterneuerung nötig ist.

Ablauf einer Elektrosanierung

Eine vollständige Erneuerung der Elektrik läuft in mehreren Phasen ab:

1. Bestandsaufnahme und Planung

Der Elektriker (in der Schweiz: Elektroinstallateur) prüft zunächst den vorhandenen Zustand: Welche Leitungen liegen wo, wie ist der Verteiler aufgebaut, welche Verbraucher sind geplant. Auf dieser Basis erstellt er einen Installationsplan mit der Anzahl der Stromkreise, Steckdosen und Schalter pro Raum.

2. Demontage und Rohinstallation

Die alte Verkabelung wird entfernt. In massiven Altbauwänden müssen Schlitze gefräst werden, um neue Leitungen unter Putz zu verlegen. Das ist zeitaufwändig und verursacht Staub und Lärm. Alternativ können Leitungen in Fußleistenkanälen oder Kabelkanälen auf Putz verlegt werden, was weniger Aufwand bedeutet, aber optisch sichtbar bleibt.

3. Verteilereinbau

Ein neuer Sicherungskasten (Zählerschrank) mit ausreichend Platz für alle Stromkreise, FI-Schutzschalter und gegebenenfalls einen Überspannungsschutz wird gesetzt. In vielen Fällen muss dafür der Zählerplatz beim Netzbetreiber angemeldet werden.

4. Feininstallation

Steckdosen, Schalter und Anschlussdosen werden gesetzt. Erst danach kann der Maler die Wände schließen.

5. Erstprüfung und Abnahme

Nach Abschluss der Arbeiten führt der Fachbetrieb eine Erstprüfung gemäß den jeweiligen Landesnormen durch und dokumentiert die Ergebnisse in einem Prüfprotokoll. Diese Dokumentation ist wichtig für Versicherungen und einen späteren Verkauf.

Kosten einer Komplettsanierung

Die Kosten hängen vom Zustand des Gebäudes, der gewünschten Ausstattung und den regionalen Stundensätzen ab. Die folgenden Richtwerte beziehen sich auf eine Standard-Elektrosanierung im Altbau (Stand: 2026).

Land Kosten pro m² (Standard) Kosten pro m² (gehoben/Smart-Home)
Deutschland 80–150 € 150–300 €
Österreich 80–150 € 150–250 €
Schweiz 140–370 CHF 250–450 CHF

Für ein Einfamilienhaus mit 120 bis 150 Quadratmetern Wohnfläche ergeben sich damit in Deutschland und Österreich Gesamtkosten zwischen etwa 10.000 und 20.000 Euro für eine Standardausstattung. In der Schweiz liegen die Kosten aufgrund höherer Lohn- und Materialkosten bei etwa 20.000 bis 55.000 Franken.

Die Stundensätze für Elektriker variieren regional: In Wien, Zürich oder München liegen sie höher als in ländlichen Regionen. In Österreich sind laut Branchenangaben 55 bis 110 Euro pro Stunde üblich, in Deutschland 50 bis 90 Euro, in der Schweiz 80 bis 150 Franken.

Nicht im Preis enthalten sind in der Regel Malerarbeiten zum Schließen der Schlitze, eventuell nötige Trockenbauarbeiten und der Austausch von Leuchten oder Geräten.

Normen und Abnahme im DACH-Vergleich

Die Anforderungen an Elektroinstallationen sind in allen drei Ländern streng geregelt, unterscheiden sich aber im Detail:

Deutschland: Maßgeblich sind die Normenreihe DIN VDE 0100 für die Errichtung und der Schutz gegen elektrischen Schlag sowie DIN 18015 für die Mindestausstattung von Wohngebäuden. DIN 18015 unterscheidet drei Ausstattungswerte: Mindestausstattung, Standardausstattung und Komfortausstattung.

Österreich: Die zentrale Norm ist die OVE E 8101, die seit Juli 2020 in Kraft ist und regelmäßig aktualisiert wird. Sie schreibt unter anderem FI-Schutzschalter mit 30 mA für alle Stromkreise bis 32 A vor, die Steckdosen versorgen. Auch Beleuchtungsstromkreise in Wohnräumen müssen seit der Aktualisierung 2025 mit FI-Schutz ausgestattet sein.

Schweiz: Die Niederspannungs-Installationsnorm (NIN, SN 411000) regelt Installationen bis 1.000 V Wechselspannung. Die NIN 2025 ist seit Januar 2025 in Kraft und enthält unter anderem ein neues Kapitel zu kombinierten Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen (Prosumer-Anlagen), das für die Integration von Photovoltaik und Batteriespeichern relevant ist.

In allen drei Ländern gilt: Elektroinstallationsarbeiten dürfen nur von konzessionierten Fachbetrieben ausgeführt werden. Eine Abnahme durch den ausführenden Betrieb mit Prüfprotokoll ist Pflicht.

Fazit

Eine Elektrosanierung im Altbau ist aufwändig und kostenintensiv, aber bei veralteten Installationen aus Sicherheitsgründen oft unvermeidlich. Wer ohnehin eine größere Renovierung plant, sollte die Gelegenheit nutzen, solange Wände und Böden offen sind. Vor dem Start empfiehlt sich ein E-Check durch einen Fachbetrieb, um den tatsächlichen Sanierungsbedarf festzustellen. Betriebe in Ihrer Region finden Sie z. B. über die Suche auf ReparaturProfi.

Dieser Artikel ersetzt keine fachliche Beratung. Im Zweifel den Rat eines konzessionierten Betriebs einholen.

Titelbild: Francesco Ungaro via Pexels.

Kommentar hinzufügen