Dachbegrünung anlegen lassen: Kosten, Aufbau und Förderungen
Flachdächer und flach geneigte Dächer bieten Potenzial, das viele Eigentümer nicht nutzen: Eine Begrünung verbessert das Mikroklima, hält Regenwasser zurück und verlängert die Lebensdauer der Dachabdichtung. Doch nicht jedes Dach ist geeignet, und die Kosten variieren stark je nach System. Dieser Artikel erklärt, worauf es ankommt.
Was ist Dachbegrünung und für welche Dächer eignet sie sich?
Eine Dachbegrünung besteht im Wesentlichen aus mehreren Schichten: einer Wurzelschutzbahn, einer Drainageschicht, einem Filtervlies, dem Substrat (der Pflanzerde) und der Vegetation selbst. Zusammen bilden diese Schichten ein System, das Regenwasser speichert, die Dachabdichtung vor UV-Strahlung und Temperaturschwankungen schützt und im Sommer für kühlere Räume darunter sorgt.
Grundsätzlich eignen sich Flachdächer und Dächer mit einer Neigung bis etwa 15 Grad am besten. Bei steileren Dächern sind Sonderkonstruktionen mit Schubsicherung nötig, was die Kosten erhöht. Die entscheidende Voraussetzung ist jedoch die Statik: Das Dach muss das zusätzliche Gewicht tragen können. Eine extensive Begrünung bringt im wassergesättigten Zustand etwa 80 bis 150 Kilogramm pro Quadratmeter auf die Waage, eine intensive Begrünung kann 300 Kilogramm und mehr erreichen.
Vor jeder Planung sollte ein Statiker oder der ausführende Dachdecker prüfen, ob die vorhandene Tragfähigkeit ausreicht oder ob eine Verstärkung nötig ist. Bei Neubauten wird die Begrünung idealerweise von Anfang an eingeplant.
Extensive und intensive Begrünung: Aufbau, Pflege, Anforderungen
Der Begriff extensive Dachbegrünung bezeichnet ein pflegearmes System mit einer Substratschicht von etwa 6 bis 15 Zentimetern. Bepflanzt wird meist mit Sedum (Fetthenne), Moosen, Gräsern oder trockenheitsverträglichen Kräutern. Diese Pflanzen kommen mit wenig Wasser und Nährstoffen aus und benötigen in der Regel nur ein bis zwei Pflegegänge pro Jahr.
Die intensive Dachbegrünung entspricht eher einem begehbaren Dachgarten. Die Substratschicht ist mit 20 bis 50 Zentimetern deutlich dicker, was das Pflanzen von Stauden, Sträuchern und in manchen Fällen sogar kleinen Bäumen ermöglicht. Dafür ist regelmäßige Pflege wie bei einem normalen Garten nötig: Bewässerung, Düngung, Rückschnitt.
| Merkmal | Extensiv | Intensiv |
|---|---|---|
| Substrathöhe | 6–15 cm | 20–50 cm |
| Gewicht (gesättigt) | 80–150 kg/m² | 200–500 kg/m² |
| Pflegeaufwand | gering (1–2×/Jahr) | hoch (wie Garten) |
| Begehbarkeit | eingeschränkt | ja |
| Pflanzenauswahl | Sedum, Moose, Gräser | Stauden, Sträucher, Rasen |
Für die meisten Bestandsgebäude kommt aus statischen Gründen nur die extensive Variante in Frage. Wer einen echten Dachgarten plant, sollte das bereits in der Bauphase berücksichtigen.
Kosten pro Quadratmeter im DACH-Raum
Die Kosten für eine Dachbegrünung hängen von der Art des Systems, der Dachbeschaffenheit und den örtlichen Gegebenheiten ab. Die folgenden Richtwerte gelten für die fachgerechte Ausführung durch einen Dachdecker oder Gartenbaubetrieb inklusive Material (Stand 2026, Quellen: Baupreislexikon, co2online, Branchenportale).
Extensive Dachbegrünung: 25 bis 75 Euro pro Quadratmeter. Bei einfachen Flachdächern mit guter Zugänglichkeit liegen die Kosten meist im Bereich von 30 bis 60 Euro. Komplizierte Dachformen, notwendige Verstärkungen oder schwierige Anlieferung treiben den Preis nach oben.
Intensive Dachbegrünung: 60 bis 150 Euro pro Quadratmeter, abhängig von der Substrathöhe und der gewünschten Bepflanzung. Aufwendige Dachgärten mit Bewässerungssystem und Wegeführung können auch darüber liegen.
Hinzu kommen laufende Kosten für die Pflege: Bei extensiver Begrünung rechnen Fachbetriebe mit 0,50 bis 2,50 Euro pro Quadratmeter und Jahr, bei intensiver Begrünung mit 2,50 bis 5 Euro.
Nicht in diesen Preisen enthalten sind eventuelle Arbeiten an der Dachabdichtung oder eine statische Ertüchtigung. Beide Posten können die Gesamtkosten erheblich erhöhen und sollten vorab geklärt werden.
Förderungen in Österreich, Deutschland und der Schweiz
In allen drei Ländern gibt es Förderprogramme für Dachbegrünungen, allerdings auf unterschiedlichen Ebenen und mit unterschiedlichen Bedingungen.
Deutschland
Auf Bundesebene gibt es keine eigenständige Förderung für Dachbegrünung. Die KfW und das BAFA fördern Gründächer nur als Teil einer umfassenden energetischen Sanierung, wenn bestimmte Dämmwerte erreicht werden.
Die Förderung erfolgt hauptsächlich über die Kommunen. Viele Städte gewähren direkte Zuschüsse zwischen 25 und 60 Euro pro Quadratmeter oder übernehmen 20 bis 50 Prozent der Kosten. Einzelne Kommunen fördern bis zu 75 Prozent. Zusätzlich reduzieren die meisten Gemeinden die Niederschlagswassergebühr für begrünte Flächen, im Durchschnitt um etwa 50 Prozent.
Die genauen Bedingungen variieren stark: Manche Programme gelten nur für Bestandsgebäude, andere setzen eine Mindestsubstrathöhe voraus. Der Förderantrag muss in der Regel vor Baubeginn gestellt werden.
Österreich
In Wien fördert die MA 22 Dachbegrünungen mit 5 Euro pro Zentimeter Substrathöhe und Quadratmeter, maximal 30.000 Euro pro Projekt. Die Fördermittel sind allerdings regelmäßig erschöpft, sodass Anträge nicht durchgehend möglich sind.
Graz gewährt 2026 einen Zuschuss von 35 Euro pro Quadratmeter für die Begrünung bestehender Gebäude, gedeckelt bei 10.000 Euro. In Feldkirch (Vorarlberg) werden 25 Prozent der Kosten übernommen, maximal 2.000 Euro ohne Solaranlage oder 2.500 Euro bei gleichzeitiger PV-Installation.
Weitere Bundesländer wie Tirol und Niederösterreich berücksichtigen Dachbegrünung im Rahmen der Wohnbauförderung oder über Ökopunkte-Systeme. Die Bedingungen sollten vor Projektbeginn bei der zuständigen Landesstelle abgefragt werden.
Schweiz
Die Förderung erfolgt kantonal und kommunal. Zürich, Basel-Stadt, Luzern und St. Gallen haben Programme, die Beiträge für Dachbegrünung vorsehen. Die Stadt Zürich fördert hitzemindernde und biodiversitätsfördernde Massnahmen, zu denen auch Gründächer zählen.
Eine einheitliche Regelung gibt es nicht. Die möglichen Beiträge müssen im Einzelfall bei der Gemeinde oder dem Kanton abgeklärt werden. Auch in der Schweiz gilt: Der Antrag muss vor Baubeginn eingereicht werden.
Häufige Fehler und worauf Sie beim Dachdecker achten sollten
Ein häufiger Fehler ist die Unterschätzung der statischen Anforderungen. Wer ohne vorherige Prüfung eine Begrünung aufbringt, riskiert Schäden am Gebäude. Ebenso wichtig ist die fachgerechte Ausführung der Wurzelschutzbahn: Wird sie beschädigt oder fehlt sie, können Wurzeln in die Dachabdichtung einwachsen und Undichtigkeiten verursachen.
Achten Sie bei der Auswahl des Fachbetriebs auf Erfahrung mit Dachbegrünungen. Nicht jeder Dachdecker bietet diese Leistung an; manche Projekte erfordern die Zusammenarbeit mit einem Gartenbaubetrieb. Fragen Sie nach Referenzen und lassen Sie sich die einzelnen Schichten des Systems erklären.
Klären Sie vor Vertragsabschluss, ob im Angebot auch die Pflege für die Anwuchsphase enthalten ist. In den ersten ein bis zwei Jahren braucht auch eine extensive Begrünung mehr Aufmerksamkeit, damit sich die Vegetation etabliert.
Betriebe in Ihrer Region finden Sie z. B. über die Suche auf ReparaturProfi.
Dieser Artikel ersetzt keine fachliche Beratung. Im Zweifel den Rat eines konzessionierten Betriebs einholen.
Titelbild: Andrea Piacquadio via Pexels.